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Zivilgesellschaft in Kosovo

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Demokratie und Demokratisierungsprozesse, Band 14

Hamburg 2018, 280 Seiten
ISBN 978-3-339-10508-0

Democracy Promotion, Demokratie, Demokratisierung, Eurozentrismus, Informelle Institutionen, Internationale Beziehungen, Klientelismus, Kosovo, Nachkriegsgesellschaft, Partikularismus, Politikwissenschaft, Postsozialismus, Südosteuropa, Vergleichende Politikwissenschaft, Zivilgesellschaft

Zum Inhalt

Kosovo ist ein junger Staat, der sich nach einem bewaffneten Konflikt 2008 von Serbien unabhängig erklärte. Sowohl vor als auch nach der Unabhängigkeitserklärung ist die internationale Gemeinschaft im Land aktiv präsent, mit der Absicht, das Land zu stabilisieren und zu demokratisieren. Dies soll unter anderem durch Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen geschehen, die Kosovaren zu mündigen Bürgern erziehen und ihnen eine gestaltende und gegebenenfalls kritische Stimme gegenüber der Politik verleihen.

Das Ergebnis ist eher ernüchternd. Anstelle klassischer Vereine nach unserem westlichen Verständnis manifestiert sich eine Hybridform: NGOs erfüllen die von westlichen Geldgebern vorgegebenen formellen Anforderungen nach außen hin, innen spiegeln sie jedoch die tatsächlichen Formen sozialer Organisation in Kosovo wider, nämlich partikularistische oder klientelistische Muster, die genauso in staatlichen Institutionen vertreten sind. Auch diese folgen derselben Funktionslogik: Zumindest formell erfüllen sie meistens die Vorgaben westlicher Geldgeber. Damit zieht sich ein roter Faden durch alle Ebenen, der durch die Diskrepanz zwischen formeller und informeller Strukturen bzw. Institutionen gekennzeichnet ist. Diese Diskrepanz wird in der Dissertation aufgegriffen und dabei der Versuch unternommen, die Inkompatibilität zwischen dem gewünschten Ergebnis und den tatsächlichen Verhältnissen zu erklären, jedoch nicht wie üblich mit einem moralischen Zeigefinger auf die Gesellschaften des Südens und deren Unfähigkeit bzw. fehlenden Willen, sich demokratisieren zu lassen, sondern mit einem kritischen Blick auf die zu erreichenden Wunschkonstrukte, in diesem Fall das der Zivilgesellschaft. Damit ist eine Überprüfung eines länger etablierten und wenig hinterfragten Konzepts beabsichtigt, das die Außenpolitik vieler Staaten des nordatlantischen Raums im Bereich der externen Demokratieförderung beeinflusst und vor allem eine Politik zur Folge gehabt hat, der ein dichotomes Weltbild zu Grunde liegt: Der entwickelte Westen hat die am besten funktionierende Staatsform (Demokratie) und die bessere Form der sozialen Organisation (Zivilgesellschaft) erkannt und folgt dem normativen Auftrag, diese auch in anderen Staaten umsetzen zu wollen.



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