Sammelband: Preußens Litauer: Studien zu einer (fast) vergessenen Minderheit

Preußens Litauer: Studien zu einer (fast) vergessenen Minderheit

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 119

Hamburg 2017, 276 Seiten
ISBN 978-3-8300-9732-7

Assimilation, Identität, Interkulturelle Kommunikation, Kristijonas Donelaitis, Martynas Jankus, Minderheiten, Preußisch Litauen, Sprachkontakte

Zum Inhalt

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Sie sind der Wahrnehmung in der deutschen Öffentlichkeit weitgehend abhanden gekommen: die Preußischen Litauer, auch als Kleinlitauer bezeichnet. Dabei gab es einst am Rande des preußischen Staates, im nordöstlichen Ostpreußen, die nach ihren Bewohnern benannte Provinz Litthauen. Die Angehörigen dieser baltischen Bevölkerungsgruppe nannten sich selbst Lietuvininkai oder Būrai. Sie zeichneten sich nicht nur durch ihre litauische Sprache, sondern ebenso durch ihre eigentümliche Kultur aus. Fast gänzlich vergessen wurden sie im deutschen Sprachraum nach dem Zweiten Weltkrieg. Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen bedeuteten auch das Ende der Kleinlitauer im angestammten Siedlungsraum. Die letzten Überlebenden und ihre Nachkommen findet man heute in der Republik Litauen, in Deutschland und vor allem in Nordamerika. Wohin auch immer die historischen Ereignisse sie verstreut haben.

Mit elf Studien nähert sich der vorliegende Band der Geschichte, Kultur und Sprache der in Preußen und im Deutschen Reich zur Minderheit gewordenen Volksgruppe an. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht der Kampf um die eigene ethnische Identität der Preußischen Litauer. Er ist eng verbunden mit ihrer angestammten Sprache und deren Verdrängung aus dem öffentlichen Leben. Was bedeuten Muttersprache und kultureller Habitus für das Selbstbewusstsein der Gruppe und ihrer Individuen? Zwei Arbeiten befassen sich mit herausragenden Persönlichkeiten kleinlitauischer Herkunft: Donelaitis und Jankus. Litauische Schriftsprache und Druckwesen, in Kleinlitauen entwickelt, hatten überragende Bedeutung für die ganze litauische Nation. Dieser Umstand ist eng verbunden mit der Tätigkeit der Universität Königsberg und dem Interesse deutscher Gelehrter an der litauischen Sprache und Literatur. Den kulturellen und sozialen Kontakten zwischen deutschsprachiger Bevölkerung und Lietuvininkai widmen sich einige Studien dieser Publikation. Sie gehen nicht zuletzt auf den bisher nur teilweise bekannten thematischen Einfluss Preußisch Litauens auf die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts ein. Zwei Abhandlungen wenden sich darum dem Juristen und Unterhaltungsschriftsteller J. D. H. Temme zu, dem das Land und die Kleinlitauer aus eigener aufmerksamer Beobachtung und persönlicher Begegnung wohlbekannt waren.



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