Dissertation: Kontrollüberzeugungen bei Patientinnen mit Bulimia Nervosa

Kontrollüberzeugungen bei Patientinnen mit Bulimia Nervosa

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 100

Hamburg 2003, 180 Seiten
ISBN 978-3-8300-1084-5 (Print)

Bulimia Nervosa, Bulimie, FKK, KKG, Klinische Psychologie, Kognitive Verhaltenstherapie, Kognitive Verzerrungen, Kontrollüberzeugung, Psychologie

Zum Inhalt

Schwerwiegende psychische Erkrankungen sind neben der spezifischen Symptomatik auch dadurch charakterisiert, daß die Betroffenen den Eindruck haben, nur wenig Einfluß auf ihr Leben, bedeutsame Ereignisse, Beziehungen und ihr Befinden zu haben und/ oder sich unkontrollierbaren Kräften ausgeliefert fühlen. Das Konzept „Kontrollüberzeugungen“ wurde in dieser Studie am Beispiel von 47 Frauen mit Bulimia nervosa, die an Behandlungsmaßnahmen (Kognitive Verhaltenstherapie in Gruppen, Pharmakotherapie, Kombinationsbehandlung) teilgenommen hatten, in einer Fragebogenerhebung untersucht.

Bei 32 Frauen, die die Behandlung regulär beendeten, wurden ein Prä-/ Post- Vergleich vorgenommen und Subgruppenunterschiede berechnet. Zudem wurden die Eingangsdaten der 15 Patientinnen, die die Behandlung vorzeitig abbrachen, mit denen der Completer verglichen. Es zeigte sich, daß die Überzeugung, selbst Einfluß nehmen zu können, bei der Gesamtgruppe der Therapie- Beenderinnen zu Beginn gering ausgeprägt war. Das galt jedoch nicht für die Subgruppen der Patientinnen, die in der Behandlung erfolgreich waren, eine weniger stark ausgeprägte Symptomatik bezogen auf die Heißhungeranfälle aufwiesen oder die Therapie abbrachen. Der Einfluß, der anderen Menschen zugeschrieben wurde, verringerte sich im Verlauf der Behandlung, bezogen auf die spezifischen Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit erhöhte er sich jedoch. Ein überraschendes Ergebnis war, daß die Drop outs im Vergleich zu den Completern bei Behandlungsbeginn stärker ausgeprägte internale Kontrollüberzeugungen aufwiesen.

Ergänzende qualitative Analysen (Aussagen von Patientinnen aus den Gruppentherapien, Beobachtungen zum Therapieprozess, Kasuistiken), die die Funktionalität der Eßstörung, die gestörte Selbstwahrnehmung, die dysfunktionalen Kognitionen und kognitiven Verzerrungen sowie Verhaltens- und Entwicklungsdefizite der Patientinnen verdeutlichten, relativierten die Ergebnisse jedoch: Selbstbeurteilungsskalen zu Kontrollüberzeugungen scheinen die massiven Störungen der Erlebnis- und Beurteilungsfähigkeit dieser Patientinnen nicht angemessen erfassen und berücksichtigen zu können. Die qualitative Analyse der Drop- out- Problematik legte ferner die Vermutung nahe, daß es sich bei den Drop outs um eine schwerer gestörte Gruppe handelte, die eine spezifischere Betreuung benötigt.



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