Forschungsarbeit: Musiker und ihre Werke am Rutheneum Gera im Zeitalter des Barock

Musiker und ihre Werke am Rutheneum Gera im Zeitalter des Barock

Studien zur Musik­wissen­schaft, Band 44

Hamburg 2018, 210 Seiten
ISBN 978-3-339-10098-6

Andreas Gleich, Barock, Emanuel Kegel, Figuralkantor, Gera, Gottfried Heinrich Scherzer, Gottfried Heinrich Stölzel, Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Musikgeschichte, Musikwissenschaft, Peter Neander, Rutheneum

Zum Inhalt

Am Gymnasium Rutheneum wirkten stets zwei Musiklehrende als cantor figuralis und cantor choralis. Ersterer war nicht nur für die Gestaltung der wöchentlichen Musik an der Stadtkirche zuständig, sondern trug als director musices bzw. Kapellmeister auch Verantwortung am Hof der Herrschaft Reuß. In jenen vielfältigen Tätigkeitsbereichen sind Kompositionen entstanden, die weit über den Wert von Gebrauchsgut hinausgehen und heute von einer hohen Musikkultur der kleinen thüringischen Residenzstadt zeugen.

Von Peter Neander sind Umarbeitungen italienischer Canzonetten zu evangelischen Choralmotetten überliefert, die er insbesondere zur Schulung des Gehörs und des Singens am Rutheneum verwendete. Diese zeugen bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts von einem hohen Sangesniveau. Mit dem Figuralchor trat er u.a. 1636 durch die Darbietung der Begräbnismusik für den Landesherrn Heinrich Posthumus, den Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz in Erscheinung.

Andreas Gleich war Schüler von Schütz und mit ihm gemeinsam Mitglied der dänischen Hofkapelle. Durch Empfehlung seines Lehrers wurde er in Gera angestellt. Von Gleich ist eine Lehrschrift überliefert, die das musiktheoretische Gedankengut seiner Zeit wiedergibt. Eine erhaltene Komposition zeigt eine enge Beziehung zu Schütz auf. Vermutlich führte Gleich in den Gottesdiensten mehrere Kompositionen seines Lehrers auf. Immerhin wirkte er u.a. als Mitherausgeber der Symphoniae sacrae II.

Durch die überlieferten Akten ist es möglich, die Bewerbung, Auswahl und Anstellung eines Figuralkantors um 1700 nachzuzeichnen. Neben pädagogischer Eignung, fachlicher Qualifikation auf dem Gebiet der Musik und des Lateinunterrichtes waren ebenso eine Gesangsprobe, ein Instrumentalvorspiel sowie die Anfertigung einer Komposition gefordert. Emanuel Kegel war Figuralkantor, später Hof- und Stadtorganist und erhielt als erster Geraer Musiker das Prädikat Kapelldirektor. Zu den erhaltenen Kompositionen zählen insbesondere Kantaten. Eine dieser sowie ein kammermusikalisches Concerto liegt erstmals in Transkriptionen handschriftlicher Abschriften vor. Kegels Berufung ordnet sich ein in den um 1700 festzustellende Aufschwung des Musiklebens. Die Absicht Kegels Schüler Gottfried Heinrich Stölzel in Gera langfristig zu halten erfüllte sich nicht, da er recht bald als Hofkapellmeister nach Gotha zog. Vermutlich versuchte der Hof, Johann Sebastian Bach nach Gera zu ziehen. So dienten seine beiden Besuche wohl nicht nur den Orgelprüfungen an den Geraer Kirchen.

Es scheint, dass um 1700 der höfische Kapellmeister einen größeren musikalischen Wirkungskreis innehatte als der am Rutheneum beschäftigte Figuralkantor. Von Kegels Nachfolger Gottfried Heinrich Scherzer sind gegenwärtig keine Kompositionen überliefert. Dennoch stellte er durch seine 1722 erschienenen Texte zur Kirchen= Musik einen Kantatenjahrgang vor, der heute durch die Musikwissenschaft noch auf Auswertung wartet.



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