: Bismarcks Kampf um die Kreisordnung

Bismarcks Kampf um die Kreisordnung

Maxime preußischer Innenpolitik 1866 bis 1872

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 7

Hamburg , 650 Seiten

ISBN 978-3-86064-422-5 (Print)

Zum Inhalt

Der Macher und sein Wendehals - der preußische Ministerpräsident und sein Innenminister - Bismarck und Eulenburg als Vorkämpfer der revolutionären kommunalen Selbstverwaltung auf Kreisebene im Preußen des Jahres 1872 zu schildern, verspricht einen spannenden Machtkampf gegen das Establishment. Die Epoche preußisch-deutscher Außenpolitik von 1862 bis 1890 gilt bisher so sehr als das Werk eines Mannes, dass bei oberflächlicher Betrachtung für einen Verwaltungspolitiker namens Bismarck kaum Platz zu sein scheint. Bismarcks politische Einstellung zur preußischen Verwaltung aber durchlebte von 1835 bis 1873 mehrere Phasen, und genau darin liegt der besondere Reiz dieses Werkes.

Aufgrund seiner umfangreichen Archivrecherchen ist es dem Autor gelungen, den krisengeschüttelten Entwicklungsprozess der preußischen Kreisordnung von 1866 bis 1873 nachzuzeichnen und die bisherige historische Forschung über das preußische Staatsministerium zu revidieren. Galt das „Ministerium Bismarck“ bis heute als eines der stabilsten Ministerien überhaupt, so wird hier die grundlegend neue These einer von Krisen geschüttelten obersten preußischen Staatsbehörde vertreten. Die kollegiale Organisation des Staatsministeriums, die Meinungsverschiedenheiten unter den Ministern, die langwierigen, kraftraubenden Debatten über die Richtigkeit preußischer Verwaltungspolitik im Landtag sowie die persönliche Abhängigkeit jedes Staatsministers vom preußischen König schienen der Herrschernatur Bismarcks zu widersprechen. Ist aber damit der mehr als zehnjährige Entwicklungsprozess der preußischen Kreisordnung hinreichend erklärt?

Wilhelm I, dessen Gattin Augusta, der preußische Kronprinz, die Minister Camphausen, Eulenburg, von der Heydt, Itzenplitz, Mühler, Roon und Selchow, um nur einige Namen der preußischen Führungsspitze zu nennen, schalteten sich auf oft intrikate Weise in die Innenpolitik ein. Gerade die preußischen Staatsminister waren eben nicht die fähigsten Köpfe, sondern meist brave, biedere Sachbearbeiter, die die Richtlinien des Ministerpräsidenten und des Königs umzusetzen hatten, und doch regte sich anfangs - 1866/67 - heftiger Widerstand gegen eine preußische Verwaltungspolitik, der Bismarck seinen Stempel aufdrücken wollte. Allen voran die Konservativen im Abgeordneten- und Herrenhaus versuchten nach 1866 Bismarcks schonender Integration der annektierten Gebiete in das preußische Staatsgefüge Steine in den Weg zu legen. Wie konnte sich der preußische Ministerpräsident am besten gegen sie durchsetzen, zumal die Konservativen beim König Gehör fanden und auch wichtige Ministerstellen innehatten?

Dieses Buch liefert einen intimen Einblick in die oberste preußische Führungselite, verknüpft mit dem konfliktreichen Kampf Bismarcks um die preußische Kreisordnung. Überschattet wird die Kreisordnungsproblematik von den zentralen Themen preußischer Innenpolitik dieser Zeit: Wird Bismarck Staatskanzler? Wird die Sonne eines liberalen Preußen das übrige Deutschland nach 1866 blenden? Bleiben die Konservativen die tragende Säule der Regierungspolitik? Jedenfalls, das ergeben die Recherchen des Verfassers, hatte Bismarck nach 1866 die historische Chance erkannt, die verkrustete preußische Verwaltung im Dialog mit den liberalen Kräften jener Zeit zu modernisieren. Gleichzeitig wollte er ein Mehr an Macht in Preußen: Reaktivierung des hardenbergschen Staatskanzleramtes und Reform des preußischen Herrenhauses! Diese Pläne konnten beim König jedoch nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn die Kreisordnung und mit ihr auch der Innenminister Eulenburg scheitern würden. Letztlich aber setzten sich Wilhelm I und Eulenburg gegen Bismarck durch, der daraufhin im Dezember 1872 pikiert seinen Hut als preußischer Ministerpräsident nahm.

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