Doktorarbeit: Die ungerechte Kette?

Die ungerechte Kette?

Die Wertschöpfungskette Milch in West-, Ostdeutschland und Polen im Vergleich 1990 und 2010

Schriftenreihe agrarwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 52

Hamburg , 470 Seiten

ISBN 978-3-8300-7605-6 (Print)
ISBN 978-3-339-07605-2 (eBook)

Zum Inhalt

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Die Herstellung von Gütern ist im Zuge der Globalisierung zunehmend komplexer geworden. Dies äußert sich u.a. auch in der Beteiligung von immer mehr Akteuren bei der Produktion. Besonders bei landwirtschaftlichen Produkten, welche meist standardisiert sind, führt dies zu einer Marginalisierung der Produzenten, welche immer weniger Macht und Einfluss auf das von ihnen erzeugte Produkt haben.

Im Rahmen der Analyse wird mit Hilfe eines Wertschöpfungskettenansatzes beispielhaft am Produkt Milch nachvollzogen, wie sich die Macht-, Informations- und Stoffströme in den letzten zwei Jahrzehnten verändert haben und wie sich dies auf die Position der verschiedenen Akteure innerhalb der Wertschöpfungskette ausgewirkt hat. Im Fokus der Untersuchung stehen die Landwirte selbst, wobei jedoch auch die anderen Akteursgruppen, wie z. B. die Molkereien oder der Einzelhandel betrachtet werden, um eine vollständige Analyse zu gewährleisten. Dazu erfolgt ein Vergleich dreier Untersuchungsregionen (Niedersachsen/Westdeutschland, Brandenburg/Ostdeutschland, Zachodniopomorskie/Polen) mit jeweils unterschiedlichsten Entwicklungsvoraussetzungen. Allen Gebieten ist gemein, dass sie durch die Mitgliedschaft in der EU eine gemeinsame zukünftige Entwicklung verbindet.

Nach einer historischen Analyse der Entwicklung und Organisation der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten in den Untersuchungsgebieten wird im empirischen Teil anhand von qualitativen und quantitativen Befragungen der aktuellen Situation nachgegangen. Dabei erfolgt nicht nur eine Analyse der drei Regionen, sondern zusätzlich ermittelt eine Clusteranalyse die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Betriebe unabhängig von der geographischen Zugehörigkeit.

Im Ergebnis zeigt sich, dass sich Wertschöpfungsketten in Räumen mit gewandelten Rahmenbedingungen am deutlichsten verändert haben. Während sich in Niedersachsen aktuell betriebswirtschaftlich gut aufgestellte Unternehmen finden lassen, sorgen die noch aus der Planwirtschaft stammenden großen Herden und riesigen Flächen Brandenburgs für nahezu optimale Bedingungen und lassen diese Gruppe als besonders wettbewerbsfähig erscheinen. In Polen hingegen sind die Landwirte durch besonders kleinteilige Strukturen gekennzeichnet, welche die Landwirtschaft für viele Milchbauern zukünftig fraglich erscheinen lässt.

Unabhängig von dieser Differenzierung zeigt sich jedoch, dass nahezu alle Landwirte im Laufe des Untersuchungszeitraumes in ihrer Wertschöpfungskette einen Verlust an Macht und Einfluss hinnehmen mussten. Dies lässt sich mit der zunehmenden Dominanz des internationalen und nationalen Einzelhandels begründen, welcher Druck gegenüber den Molkereien erzeugt, die diesen wiederum an ihre Lieferanten, die Landwirte, weitergeben. Diese Entwicklung steht nicht nur im Widerspruch zu gängigen theoretischen Modellen, sondern zeigt auch die prekäre Lage vieler Milchproduzenten unabhängig von ihrer Wettbewerbsposition auf.

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