Dissertation: Das Demokratieverständnis in postsozialistischen Regionen Europas

Das Demokratieverständnis in postsozialistischen Regionen Europas

Ein Vergleich des Sozialkapitals in Brandenburg und Podlasie

Wissenschaftlicher Förder­preis des Bot­schaf­ters der Re­pub­lik Polen 2009

Demokratie und Demokratisierungsprozesse, Band 6

Hamburg , 284 Seiten

ISBN 978-3-8300-4402-4 (Print)
ISBN 978-3-339-04402-0 (eBook)

Rezension

[...] Die gerade aufgrund der qualitativen Herangehensweise interessante Studie zur politischen Kultur wurde im Jahr 2009 mit dem wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen ausgezeichnet. Für die weitere Forschung ist insbesondere die abschließende These interessant, dass ein vergleichsweise hohes Sozialkapital allgemeinere postdemokratische Tendenzen nicht ausschließt, sondern lediglich „das Funktionieren der Demokratie auf lokaler Ebene positiv [beeinflusst]“ (260). Laut Bacia schwächt ein „starkes Sozialkapital [...] die Politikverdrossenheit, schließt sie aber nicht aus“ (261).

Zum Inhalt

Brandenburg und Podlasie sind zwei Regionen Europas, in denen Demokratie ein relativ neues Phänomen ist. Das demokratische System wird hier erst seit 20 Jahren praktiziert. Der Weg, den die Bürger der zwei Regionen nach 1989/1990 genommen haben, ist nicht einfach und war nicht immer durch Erfolg gekennzeichnet. Sowohl die neuen Bundesländer als auch polnische Regionen litten unter hoher Inflation und wachsenden Arbeitslosenzahlen. Die Prozesse waren in schwächeren, peripheren Regionen beider Länder, wie im deutschen Brandenburg und polnischen Podlasie, besonders stark ausgeprägt. Soziale Ungleichheit stieg, die Gruppe der Unzufriedenen und derer, die nostalgisch in die Vergangenheit blickten und mit Sehnsucht über das alte, „gerechtere“ System dachten, vergrößerte sich. Gleichzeitig sollte es nicht vergessen werden, wie viele Vorteile das demokratische System mit sich gebracht hat: Freie Wahlen, Meinungsfreiheit, freier Zugang zur Information, die Möglichkeit, sich in politischen und bürgerlichen Organisationen zu vereinen, um gemeinsame Ziele zu erreichen; die Möglichkeit, das Gemeinwohl selbst zu definieren und zu entscheiden, wie es erreicht werden sollte.

Die Frage ist aber, ob dies nicht nur leere Parolen sind, Theorien, Definitionen, die praktisch keine Rolle im Leben des durchschnittlichen Bürgers spielen. Wie wichtig ist den Bürgern postsozialistischer Regionen Europas die Demokratie und die Tatsache, dass sie in einem demokratischen System leben? Wie ist ihr Demokratieverständnis und durch welche Faktoren wird es beeinflusst?

Die umfangreichen Untersuchungen, welche die Verfasserin im polnischen Podlasie und ostdeutschen Brandenburg durchgeführt hat, berücksichtigen das Demokratieverständnis auf zwei Ebenen. Einerseits wird hier die Mikroebene erforscht (lokale, direkte Demokratie), andererseits wird auch die Makroebene (repräsentative, indirekte Demokratie) gründlich analysiert. Die Analyse basiert auf den seit mehreren Jahren in den Sozial- und Politikwissenschaften stattfindenden Debatten über die Demokratiekrise, unter besonderer Berücksichtigung der Postdemokratietheorie von Colin Crouch. Untersucht wird auch das Sozialkapital als ein Faktor, der das gesellschaftliche Verhalten und das Demokratieverständnis beeinflussen, wenn nicht sogar bestimmen kann.

Die in der Studie angewandten Methoden qualitativer Forschung haben es ermöglicht, die Elemente des Sozialkapitals in den untersuchten Regionen zu identifizieren, das Demokratieverständnis der Bürger zu erforschen und den Zusammenhang zwischen dem Sozialkapital und dem Demokratieverständnis nachzuweisen. Dank der Benutzung verschiedener Forschungsmethoden konnte ein komplexes Bild der zwei Gesellschaften entworfen werden. Es wurden der aktuelle Zustand und die aktuellen Prozesse der Entwicklung des Sozialkapitals und der Veränderung des Demokratieverständnisses analysiert und auf dieser Basis ein Zukunftsbild für die beiden Regionen gezeichnet.

Wissenschaftlicher Förder­preis des Bot­schaf­ters der Re­pub­lik Polen 2009

Auszeichnung in der Kategorie Dissertation

Förderpreis des Botschafters der Republik Polen 2009

[...] Der mit 2.000 Euro dotierte Preis wird jährlich für herausragende innovative Dissertationen und Abschlussarbeiten aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften zur polnischen Geschichte und Kultur sowie den deutsch-polnischen Beziehungen verliehen und dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und des Dialogs. über die Preisvergabe entschied eine Jury aus deutschen und polnischen Geistes- und Sozialwissenschaftlern. [...]

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