: Taktil-motorische Informationsverarbeitung und explizite und implizite Gedächtnisleistungen

Taktil-motorische Informationsverarbeitung und explizite und implizite Gedächtnisleistungen

Studienreihe psychologische Forschungsergebnisse, Band 2

Hamburg 1991, 200 Seiten
ISBN 978-3-925630-94-1 (Print)

Gedächtnisleistungen, implizite Nachwirkungen, Informationsverarbeitung, Kognitionspsychologie, mentale Phänomene, Psychologie, Reflexionsprozesse, Steuerungsprozesse, Wahrnehmung

Zum Inhalt

Das Werk zeigt, daß kognitionspsychologische, insbesondere gedächtnispsychologische Modellvorstellungen auf taktil–motorische Funktionen übertragen werden können, wodurch die beklagenswerte Fixierung auf interne mentale Phänomene überwunden erscheint. Dabei interessiert Wagner nicht nur, was Menschen denken, wenn sie handeln, sondern auch wie, d.h. durch welche nicht dem Bewusstsein zugängliche Prozesse, motorische Aktionen gesteuert werden.

Dies wurde mit einer gedächtnispsychologischen Versuchsanordnung untersucht, wobei das Versuchsmaterial und die Aufgaben so ausgewählt wurden, daß die Ergebnisse problemlos auf alltägliche Aktionen übertragen werden können. Neben klassischen Behaltensmaßen, die in letzter Zeit (z.B. von Schacter, 1987) als explizite Gedächtnisleistungen bezeichnet werden, wurden Wiederholungseffekte bei der mehrmaligen Bearbeitung von Gegenständen erhoben, die als implizite Nachwirkungen gelten können. Die grundlegende Annahme, daß alltägliche Aktionen durch Prozesse gesteuert werden, die andere Eigenschaften haben als die bei höheren geistigen Aktivitäten vorherrschenden Reflexionsprozesse, läßt sich bestätigen, wenn gezeigt werden kann, daß Wiederholungseffekte unabhängig von Erinnerungen an die Gegenstände sind. Dies entspricht der alltäglichen Erfahrung, daß Menschen Fertigkeiten beherrschen, ohne zu wissen, wie sie dabei vorgehen und auch ohne Erinnerung an die ursprüngliche Lernepisode. Damit ist zwar noch nicht mikroanalytisch geklärt, wie alltägliche Aktionen gesteuert werden, aber wenigstens demonstriert, daß dazu keine umfangreichen Reflexionen nötig sind.

Über diese Demonstration geht das Buch nicht hinaus; sie ist jedoch, wissenschaftlichen Standards entsprechend, äußerst schlagkräftig. Der Schwerpunkt liegt auf empirischen Untersuchungen und weniger auf theoretischen Überlegungen. Dies hat Gründe: Erstens wurden taktil–motorische Funktionen bislang noch nicht unter dieser Perspektive untersucht. Zweitens bietet der hier eingeschlagene Weg Möglichkeiten, zukünftig motorische Steuerungsprozesse präziser zu analysieren.



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