: Kindesaussetzung und Frauenpolitik

Kindesaussetzung und Frauenpolitik

Fürsorge für Mutter und Kind im Frankreich des 19. Jahrhunderts

FEMINAT – Studien zur Frauenforschung, Band 1

Hamburg , 170 Seiten

ISBN 978-3-925630-61-3 (Print)

Zum Inhalt

Das aus dem Ancien Regime bereits bekannte Phänomen der Kindesaussetzung entwickelt sich in Frankreich während des 19. Jahrhunderts zu einer Massenerscheinung. Immer mehr verheiratete oder in eheähnlichen Gemeinschaften lebende, erwerbstätige Frauen versuchen, ihr Kind vorübergehend in einem Findelhaus unterzubringen. So möchten sie den Zeitraum überbrücken, in dem die besonders intensive Säuglingspflege sie daran hindert, ihrer Erwerbsarbeit in vollem Umfang nachzugehen. Die Mütter verstehen die Findelfürsorge als kostenlose staatliche Ammenvermittlung.
Einer solchen Interpretation leistet die Fürsorgepolitik Vorschub. Die Findelfürsorge ist Teil der „assistance publique“, ihre Inanspruchnahme seit der Revolution gesetzlich verbrieftes Recht, das während des 19. Jahrhunderts nie ausdrücklich aufgehoben wird. Den Familien- und Fürsorgepolitikern fällt es schwer zu entscheiden, ob die Aufzucht und Erziehung von Kindern unter staatlicher Obhut oder von den Müttern durchgeführt werden sollte. Die anstaltliche Versorgung ist in vieler Hinsicht mangelhaft. An ihr gemessen erweisen sich sogar ledige Mütter als leistungsfähiger. Dies jedenfalls behaupten einige Zeitgenossen. Andere wiederum sprechen selbst vielen verheirateten Frauen das Vermögen ab, ihre Kinder zu nützlichen Mitgliedern des Gemeinwesens heranzuziehen. Der Streit um die Mütter schlägt sich deutlich in der Findelfürsorgepolitik nieder. Über ein Jahrhundert hinweg bleibt sie zögerlich, unverbindlich, ja widersprüchlich.
Der erste Teil der Untersuchung ist eine chronologisch angelegte Bestandsaufnahme der Entwicklung der staatlichen Findelfürsorge, ihres rechtlichen Rahmens und der Verwaltungspraxis. Ihm folgt eine Analyse des zeitgenössischen Diskurses über das Aussetzungswesen auf seine familien- und sozialpolitischen Implikationen hin.
Zur Quellengrundlage zählen neben den einschlägigen zeitgenössischen Publikationen das amtliche Schrifttum, veröffentlichte Gesetze und Verwaltungsvorschriften sowie Archivalien aus den Archives Nationales und den Archives de l‘Assistance Publique.

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