: Aktualität und Tradition

Aktualität und Tradition

Studien zu Ferdinand Bruckners Werk bis 1930

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 43

Hamburg 1999, 500 Seiten
ISBN 978-3-86064-966-4 (Print)

Expressionismus, Ferdinand Bruckner, Führer-Mythos, Führerkult, Geschichtsdrama, Historismus, Literaturwissenschaft, Psychoanalyse, Weimarer Republik

Zum Inhalt

Ferdinand Bruckner (1891 - 1958) gehörte zu den bekanntesten Bühnenautoren in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik. Doch obwohl sein schriftstellerisches Werk seit Mitte der zwanziger Jahre heftig diskutiert wurde, verdrängte die Nachkriegszeit den 1933 ins Exil gezwungenen Dramatiker aus ihrem Bewusstsein.
In seinen literarischen Anfängen dem Expressionismus verbunden, formuliert Bruckner 1917 eine von Endzeitstimmung und Aufbruchsenthusiasmus gleichermaßen geprägte Kunsttheorie. Die Krise des modernen Subjekts und der Zerfall der Wirklichkeit, - dies sind Grunderfahrungen der Epoche, die die Sehnsucht nach einer neuen, ekstatisch geforderten Ganzheit des Daseins hervorrufen.

Sinn-, Wert- und Identitätsverlust stehen im Zentrum des Dramas „Krankheit der Jugend“ (1926), mit dem sich der Autor von den visionären Entwürfen des Expressionismus verabschiedet. Mit seinem Schauspiel „Elisabeth von England“ (1930) gelangt Bruckner zu internationaler Geltung. Im Medium des historischen Dramas stellt er seiner Gegenwart die Diagnose: Aus der kritischen Darstellung zweier Herrschergestalten des 16. Jahrhunderts ergibt sich als aktueller Bezug die Entmythisierung des überhöhten einzelnen und damit die Abwehr jedes Führer-Kults. Hellsichtig nimmt Bruckner Ende der zwanziger Jahre vortotalitäre Zustände wahr, vor denen er warnt.

Der Einblick in Bruckners Leben und Werk basiert auf einer Fülle bisher unveröffentlichter Aufzeichnungen aus dem Nachlass des Autors.
Die Studie gewinnt durch die minutiöse Darstellung der geistigen Tendenzen der Zeit zwischen 1916 und 1930 exemplarische Bedeutung.



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