Forschungsarbeit: Alles ist dem russischen Schwert untertan

Alles ist dem russischen Schwert untertan

Nationalpatriotismus russischer Schriftsteller im 19. und 20. Jahrhundert (von Puskin bis Solzenicyn)

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 13

Hamburg , 142 Seiten

ISBN 978-3-86064-726-4 (Print)

Rezension

Meichels schmales Buch bietet aufgrund der exemplarischen Auswahl seiner Texte und Textstellen einen ausgezeichneten Einstieg in die Thematik, vor allem auch deshalb, weil es trotz knapper Darstellung die Vielfalt der den russischen Nationalismus konstituierenden Elemente erkennen läßt - über den literarischen Raum hinaus.
in: osteuropa, 10/2000, pp. 1

Zum Inhalt

Die patriotischen Vereinigungen und Parteien im heutigen Russland, angefangen bei den Kommunisten Zjuganovs bis hin zu den ultrarechten „Liberalen“ Zirinovskijs greifen in ihren populistischen Schriften in der Regel auf bestimmte Ansichten der national gesinnten großen russischen Dichter des 19. Jahrhunderts zurück und nutzen sie für ihre ideologischen Ziele aus. Aber auch viele bekannte Schriftsteller der Gegenwart - und nicht nur aus dem konservativen Lager - stützen sich in ihren kulturpolitischen Vorstellungen auf die nationalpatriotische Geisteshaltung eines Dostoevskijs, Tjutcevs u.a., die von der Einzigartigkeit, der einmaligen Größe des russischen Volkes und der unikalen Rolle Russlands in der Weltgeschichte überzeugt waren.

Die Gründe hierfür ähneln auf verblüffende Weise denjenigen, die dem Aufschwung des Nationalpatriotismus in Russland der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen starken Auftrieb verliehen hatten: Verlust der imperialen Größe, tiefgreifende politische wirtschaftliche Reformen und deren Folgen wie soziale Krise und Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft. In dieser Situation suchen heute viele und nicht zuletzt die Literaten, deren ehemals privilegierte Stellung mit der Einführung der Marktwirtschaft verloren ging, in den fragwürdigen nationalpatriotischen und populistischen Vorstellungen der russischen Schriftsteller der Vergangenheit einen Ausweg aus der krisenhaften Lage.

Mit dieser Arbeit sollen in erster Linie die in der slavistischen Forschung noch wenig berücksichtigten bzw. vernachlässigten Fragen des nationalpatriotischen Denkens der großen russischen Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts, das heute in Russland wieder an Aktualität und Bedeutung gewonnen hat, beleuchtet werden. Anhand bisher in der Forschung nur am Rande diskutierter Texte soll damit ein Beitrag zu dem gegenwärtigen Patriotismusdiskurs und dessen literaturgeschichtlichen Quellen in Russland geleistet werden.

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