: Vandalismus und Brandstiftung als Objekt-Subjekt-Beziehung

Vandalismus und Brandstiftung als Objekt-Subjekt-Beziehung

Ein Beitrag zu einer Theorie interaktiver Relationen

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 0

Hamburg 1997, 212 Seiten
ISBN 978-3-86064-572-7 (Print)

Brandstiftung, Ciompi, Interaktionismus, Objekt-Subjekt-Beziehung, Perzeption von Wirklichkeit, Soziologie, Systemtheorie, Vandalismus, Watzlawik

Zum Inhalt

Welche Beziehung besteht zwischen dem vandalistischen Brandstifter und seinem Objekt? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Reihe von Untersuchungen, die vom Institut für Soziologie an der Hamburger Universität und der Hamburger Feuerkasse durchgeführt wurden. Die aus diesen Explorationen resultierenden Fragen, wie diese Beziehung strukturiert ist und welchen Einfluss sie auf die Handlung hat, stehen im Mittelpunkt dieses Buches.

Untersucht und diskutiert wird, inwieweit und in welcher Form die materielle bzw. physikalische Umwelt Einfluss auf die Konstituierung von Wirklichkeit hat, so dass abweichendes oder delinquentes Verhalten (als eine Möglichkeit einer gesamten Verhaltenskontingenz) auftritt. Das bedeutet, dass in dieser Diskussion die Frage nach einer spezifischen Perzeption von Wirklichkeit in den Mittelpunkt der Betrachtung gerät und eine Theorie erfordert, die die besondere Konstellation einer Objekt-Subjekt-Beziehung berücksichtigt.

Voraussetzung für eine solche Diskussion ist die Möglichkeit einer sprachlichen und symbolischen Konstruktion (Watzlawick) und affektlogischer Interpretation (Ciompi) von Wirklichkeit. Diese spezifische Auffassung von Wirklichkeit als individuelle Interpretation des (materiell) Vorhandenen und des Vorgestellten verlangt, Vandalismus im Kern als eine Handlung zu betrachten und nicht vorrangig als abweichendes oder delinquentes Verhalten. Eine solche Handlung wird in dem vorgestellten Ansatz deshalb als Folge einer individuellen Wirklichkeitsperzeption betrachtet und entsteht aus interaktiven Relationen als einer dynamischen und interaktiven Beziehung. Sie besteht in einer zirkulären Struktur zwischen dem Objekt als materiellem und symbolischen Gegenstand und dem Subjekt als Handelndem. Die an die Perzeption des Objekts gebundenen interaktiven Relationen bestimmen die individuelle sprachliche Konstruktion und Gestaltung der Wirklichkeit. Innerhalb dieser Wirklichkeit können Handlungen und Verhalten (als Beziehung zwischen Elementen) des Subjekts so beeinflusst werden, dass sie zur Gewalt oder in den untersuchten Fällen zu Vandalismus führen können.

Für den Bereich nicht-utilitaristischer Delikte erscheint diese Herangehensweise deshalb interessant, weil der zentrale Begriff der Norm in den Theorien abweichenden Verhaltens durch den Begriff der Wirklichkeit ergänzt wird und gleichzeitig an den architektonischen Determinismus und die Diskussion der strukturellen Gewalt anschließt.



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