: Die Gleichberechtigung hat ihre Licht- und Schattenseiten

Die Gleichberechtigung hat ihre Licht- und Schattenseiten

Jugendvorstellungen der heute staatstragenden Generation zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 16

Hamburg 1996, 466 Seiten
ISBN 978-3-86064-498-0 (Print)

Aufsatzanalyse, Familie, Frau, Geschlecht, Gesellschaft, Gleichberechtigung, Roeßler-Archiv, Schulaufsätze, Soziologie

Zum Inhalt

„Wie stellen Sie sich zur Gleichberechtigung von Mann und Frau?“ So lautete die Themenstellung, mit der sich Jugendliche 1956 in Schulaufsätzen auseinander setzten. 40 Jahre später ist die Problematik trotz grundgesetzlich verankerten Gleichberechtigungsgebots immer noch aktuell, wie die skizzenhafte Analyse der bundesrepublikanischen Gesellschaft ergibt. Geschlecht, so die diesem Buch zugrundeliegende These, erweist sich über den biologischen Aspekt hinausgehend als soziale und politische Kategorie. Gesellschaftliche Aufgaben werden den Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit zugeteilt, Lebenschancen gewährt oder verweigert.

In einem ersten Teil entwickelt die Autorin den theoretischen Bezugsrahmen für die Interpretation von 171 ausgewählten Aufsätzen und belegt die Wirksamkeit der gesellschaftlichen Strukturkategorie Geschlecht an einigen für die Aufsatzanalyse relevanten wissenschaftlichen Theorien. Diese liefern das notwendige Hintergrundwissen, stellen die Folie, vor der die Aufsätze gelesen werden. Mit einer methodischen Doppelstrategie aus Querschnittsanalyse und Einzelinterpretationen wird im umfangreichen Auswertungsteil der Reichtum des Quellenmaterials genutzt, die Vielschichtigkeit der Gleichberechtigungsproblematik herausgearbeitet. Die qualitative Aufsatzanalyse legt Denk- und Argumentationsmuster für und gegen die Gleichberechtigung offen. Anthropologische Grundannahmen, gesellschaftliche Leitbilder und ihre Legitimationsbasis werden problematisiert, die Widerstände - auch in Bewusstseinsinhalten von Gesellschaftsmitgliedern - aufgezeigt, die eine Umsetzung der Idee Gleichberechtigung in gesellschaftliche Praxis behindern.

Auswirkungen der Gleichberechtigung auf die gesellschaftlichen Handlungsfelder Recht, Politik, gesellschaftliche Umgangsformen, Familie, Beruf werden intensiv diskutiert, Chancen und/oder Gefahren für Individuen und Gesellschaft problematisiert. Bezugspunkte zu den im ersten Teil behandelten wissenschaftlichen Theorien werden herausgestellt, die historische Entwicklung ebenso einbezogen wie zeitgeschichtliche Kontextbedingungen.
Gleichberechtigung, so das Fazit der Untersuchung, verändert nicht nur die private Beziehung zwischen Mann und Frau, sie verändert die Strukturen der Gesellschaft.



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