: Die selbstbestimmte Einnahme eines Opiates durch Wistarratten

Die selbstbestimmte Einnahme eines Opiates durch Wistarratten

Schriftenreihe naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 41

Hamburg , 244 Seiten

ISBN 978-3-86064-476-8 (Print)

Zum Inhalt

In einer Langzeitstudie wurde bei Laborratten die freiwillige und die forcierte Einnahme des Opiates Etonitazen (ETZ) untersucht. Durch Einnahme einer psychoaktiven Substanz greift das Tier in seine eigene zentralnervöse Neurotransmission ein und verändert dadurch seinen psychischen Zustand. Dies hat Auswirkungen auf die Motivation für weiteres Einnahmeverhalten. Eine systemorientierte Analyse des Drogeneinnahmeverhaltens bietet die Möglichkeit, etwas über die motivationalen Anteile der Verhaltenssteuerung zu erfahren. Dies gilt sowohl für den „kontrollierten Konsum“ eines Opiates als auch für den Eintritt eines Kontrollverlustes („Sucht“).

Die Tiere hatten in ihren Heimkäfigen 30 Wochen lang kontinuierlich die freie Wahl zwischen Wasser und drei verschiedenen ETZ-Konzentrationen als Trinkflüssigkeiten. Letztere enthielten Essigsäure (HAc) als nicht-psychoaktiv wirksamen Zusatzstoff. Nach 19-wöchiger Opiatabstinenz wurde den Tiere das Opiat in einem Retest erneut zur Wahl angeboten.

Im langfristigen Einnahmeverhalten der Tiere konnten im wesentlichen vier verschiedene Phasen differenziert werden. Der Vergleich mit Kontrollen, die in den ersten zehn Wochen HAc zur Wahl erhielten, zeigte, dass die Opiateinnahme während der ca. fünfwöchigen Einstiegsphase auf den Einfluss der Essigsäure zurückging (sowohl bei ETZ+HAc- als auch bei HAc-Wahl: hohe Einstiegsdosen und eine große intraindividuelle Variabilität bei der Einnahme). Zwischen der fünften und der fünfundzwanzigsten Woche entwickelten die Tiere dem Opiat gegenüber ein kontrolliertes Einnahmeverhalten. Ihre freiwillig eingenommene Tagesdosis hing vorhersagbar von individuellen („Dominanzstatus“) und situativen (soziale Haltungsbedingungen) Faktoren ab. Nach 25 Wochen stieg der freiwillige Opiatkonsum der Tiere kontinuierlich an; in dieser Übergangsphase gingen interindividuelle Differenzierungen verloren.

Im Retest nahmen diese Tiere dann sowohl im Vergleich zu ihrer eigenen Einnahme vor der langen Abstinenz als auch im Vergleich zu gleichalten, opiat-naiven Kontrollen deutlich höhere Opiatdosen zu sich (Reversibilitätsverlust). Ihr Einnahmeverhalten konnte nicht mehr durch situative, geschmackliche oder individuelle Faktoren modifiziert werden (Kontrollverlust). Dies entspricht dem Zustand einer Sucht.
Tiere, die das Opiat in den ersten 30 Wochen forciert einnahmen (keine Wahlmöglichkeit: eine ETZ-Lösung als einzige Trinkflüssigkeit), wurden dagegen nicht süchtig. Entzugserscheinungen bei Absetzen des Opiates traten bei allen Tieren mit Opiat-Vorerfahrung auf.

Ein mit allen Tieren zusätzlich durchgeführter Alkoholwahlversuch ermöglichte die Diskussion einer substanzübergreifenden Gültigkeit von Prinzipien des Substanzeinnahmeverhaltens. Auf Basis der erhobenen Daten wurden Funktionsschaltbilder entwickelt, die die zentralnervöse Steuerung des Substanzeinnahmeverhaltens modellhaft beschreiben.

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