: Der Gansu-Korridor: Barbarenland diesseits und jenseits der Großen Chinesischen Mauer

Der Gansu-Korridor: Barbarenland diesseits und jenseits der Großen Chinesischen Mauer

zum Nord-Süd-Dialog eines zentralasiatischen Gebietes

ORBIS – Wissenschaftliche Schriften zur Landeskunde, Band 8

Hamburg 1996, 250 Seiten
ISBN 978-3-86064-470-6 (Print)

chinesische Dynastien, Ethnien, Gansu-Korridor, Geographie, Große Chinesische Mauer, Minderheiten, Mongolen, VR China

Zum Inhalt

Inhaltlich bezieht sich die Arbeit auf ein hochbrisantes und aktuelles Thema: Der Konflikt zwischen der „Ersten Welt“ und der „Dritten Welt“ am Beispiel Zentralasiens bzw. Chinas. Bisher ist das Thema nur auf die Politik und die Wirtschaft bezogen worden, dieses Buch leistet jedoch viel mehr.

Ganz bewusst wurde die Arbeit auf den Gansu-Korridor, ein Grenzgebiet, beschränkt, denn die „Welten“ China und Zentralasien haben sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart in diesem Gebiet getroffen und dort ihren „Dialog“ geführt. Die Große Chinesische Mauer, die innerhalb des Korridors verläuft, wird als eine zunächst mentale, mittlerweile real gewordene Grenze der regierenden Chinesen beschrieben. Die Manipulation der Minderheiten - einerseits „Entwicklung“ (Zuckerbrot), andererseits „Unterdrückung“ (Peitsche) - sowie die Formen der Machtausübung des „Südens“ über den „Norden“ sieht die Autorin gegenwärtig am treffendsten durch die Betrachtung des Gansu-Korridors dargestellt.

Die Autorin geht zunächst auf die Landesnatur sowie den aktuellen Forschungsstand ein. Danach bietet der erste Teil den Überblick über zweitausend Jahre Geschichte im Gansu-Korridor. Dieser Überblick ist kurz, fragmentarisch und prägnant dargestellt. Im zweiten Teil werden die Themen Bevölkerungsanteile, soziale Schichtung, Sprachen, Religionen, Wirtschaft sowie der Kulturwandel analysiert. Die Autorin zeigt auf, welche Informationen und Identifikationen zu den verschiedenen Ethnien bzw. Gemeinschaften im Gansu-Korridor vorhanden sind, und wie sie im Rahmen des Nord-Süd-Dialogs bewertet werden können. In der modernen Zeit, seit 1949, ist aus dem Dialog nach Ansicht der Autorin ein Monolog geworden, den die Chinesen bzw. Sesshaften mit harter Machtausübung führen.

Diese Arbeit hat die Intention, das Schweigen über die Frage der Minderheiten in der VR China zu beenden. Die Autorin fordert auf, in eine Diskussion einzutreten, die sowohl die Forschung als auch die außerakademische Beschäftigung mit der VR China aus ihren China-Träumen aufweckt und den Realitäten ins Auge schauen lässt.



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