: Das Thema Gewalt im Werk Alfred Döblins

Das Thema Gewalt im Werk Alfred Döblins

Ästhetische, ethische und religiöse Sichtweise

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 16

Hamburg , 320 Seiten

ISBN 978-3-86064-353-2 (Print)

Zum Inhalt

Döblin hat im 1. Weltkrieg als Lazarettarzt das ganze Elend des modernen Krieges miterlebt. Sollte ihn das abgestumpft haben? Er könnte nicht, was naheläge, das Elend seiner psychisch kranken Kassenpatienten in literarische Gestaltungen künstlerisch sublimiert haben, sondern selber krank geworden sein. Er könnte, da er vielleicht als Arzt schon während des Studiums daran gewöhnt war, Leichen zu sezieren, im Krieg sogar Gefallen an den Zerstörungen menschlicher Körper gefunden haben und dies, wie Sebald unterstellt, auch in seinen literarischen Werken ausdrücken.

Es ist nicht einfach, für jede der angeführten gegensätzlichen Interpretationen Argumente zu finden, weil sich der Erzähler jeglicher Wertung des Geschehens enthält. Man muß sich also die Mühe einer systematischen Untersuchung machen, um zu erfahren, mit welchen Intentionen Döblin Gewalt in seinen Dichtungen dargestellt hat.

Trotz wichtiger Arbeiten zum Thema “Gewalt” ist der auf Döblin gefallene Verdacht der affirmativen Darstellung von Gewalt - was das Frühwerk betrifft - noch nicht ganz ausgeräumt. Zudem ist noch nicht untersucht worden, welche Rolle das Thema im Gesamtwerk spielt. Es geht daher Otto Klein um die Schließung dieser Forschungslücke. Das Buch liefert Argumentations–Material zur Beantwortung der Frage, wie das Thema Gewalt in Döblins Dichtungen literarisch gestaltet ist, und gibt auch selber eine Antwort auf diese Frage. Als Leitfragen fungieren einmal die ästhetische Frage: Wie hat Döblin Gewalt literarisch dargestellt?, die anhand der untersuchten Darstellungskomponenten beantwortet wird, und einmal die ethische Frage: Wie ist Döblins Gewaltdarstellung zu bewerten? Der allgemeine Begriff “Gewalt”, der natürliche und spezifisch menschliche Phänomene sowie deren metaphysische Erklärungen umfasst, wurde gewählt, weil er die Behandlung des Themas in einer umfassenden existenziellen Bedeutung ermöglicht.

Otto Klein geht davon aus, daß Döblin nicht unbedingt den modernen, sondern den exemplarischen Menschen darstellen wollte: den Menschen zwischen natürlicher Determiniertheit, ethischer Freiheit und metaphysischer Aufgehobenheit. Durch die Interpretationen seiner Werke vor dem Hintergrund seiner Weltanschauung erscheint Gewalt als relativ. Sie hat eine andere Bedeutung in der Natur, für die sie konstitutiv ist, als für den Menschen, der auf sie verzichten kann, und wieder eine andere in der Metaphysik, wo sie begründet und zugleich aufgehoben ist.

Der Autor will nicht den Fehler begehen, die Texte aus ihrem jeweiligen Kontext zu lösen. Deshalb steht die Beschreibung und Interpretation der Handlungsstruktur im Mittelpunkt. In die Untersuchung wird die Weltanschauung Döblins mit einbezogen, um die - wie Sebald unterstellt - “unauflösbaren Widersprüche der verschiedenen Döblinschen Positionen” als zu verschiedenen Zeiten eingenommene Positionen aufzulösen oder als tatsächliche, nicht in der Darstellung Döblins, sondern in der polaren Struktur der Welt begründete, Widersprüche stehenzulassen.

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