: Ausländerfeindlichkeit in der deutschen Presse

Ausländerfeindlichkeit in der deutschen Presse

untersucht an „BILD“, „FAZ“, „taz“ und der „Deutschen National-Zeitung“

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 15

Hamburg , 200 Seiten

ISBN 978-3-86064-309-9 (Print & eBook)

Zum Inhalt

Am 26. Mai 1993 trafen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages eine Entscheidung, die Gegenstand heftiger, öffentlicher Debatten war. Der Artikel 16 des Grundgesetzes wurde geändert. „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“ - diese Garantie des demokratischen Rechtsstaates, gültig seit Inkrafttreten der bundesdeutschen Verfassung, wurde mit Zustimmung der großen Mehrheit der Parlamentarier eingeschränkt. Drei Tage nach der Entscheidung des Bundestages kamen in Solingen fünf Menschen nach einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus ums Leben. Vier weitere Menschen wurden schwer verletzt.

Die zeitliche Nähe beider Ereignisse hat in der Politik, der Wirtschaft und den Medien zu einer Diskussion über mögliche Zusammenhänge geführt. „Viele Politiker und Medien haben mit der Asyldebatte Stimmung gegen AusländerInnen gemacht und das Feindbild Flüchtling geschaffen“, hieß es beispielsweise im Solinger Appell, einem Anruf nach dem Mordanschlag.

Waren also Schlagzeilen die Ursache der Brandsätze? Muss bestimmten Printmedien der Vorwurf gemacht werden, Ausländerfeindlichkeit verstärkt, geschürt oder soger erst geweckt zu haben? Einer Antwort auf diese Fragen versucht sich diese Arbeit zu nähern. Zu diesem Zweck wurden Hunderte von Zeitungsartikeln analysiert, die binnen zweier Zeiträume in vier ausgewählten deutschen Zeitungen - der tageszeitung, der FAZ, der BILD-Zeitung und der deutschen National-Zeitung - erschienen sind. Als Untersuchungszeiträume wurden der November 1991, als sich die Asyldebatte auf ihrem Höhepunkt befand, sowie der Mai/Juni 1993 gewählt.

Mit Hilfe exemplarischer Textanalysen, deren Methode sich an die von Siegfried Jäger entwickelte Theorie der „Textanalyse als Diskursanalyse“ anlehnt, macht der Autor auf Artikel und Textpassagen aufmerksam, die als ausländerfeindlich eingestuft werden können. Unter besonderer Berücksichtigung der grundlegenden Arbeiten von Colin Good und Peter von Polenz steht der Text dabei sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene im Blickpunkt. Lexikalische Phänomene, wie etwa das negativ besetzte Schlagwort „Asylant“, werden ebenso untersucht und beschrieben wie der Gebrauch von Kollektivsymbolen („Asylantenflut“) und wesentliche Fragen der Satzsemantik. Die elementaren Probleme einer linguistischen Text-Definition und Textsorten-Differenzierung werden diskutiert, soweit sie für die Textanalyse im konkreten Fall relevant sind.

Die Arbeit macht deutlich, wie durch verschiedenste journalistische Praktiken Meinung gemacht, Ideologie transportiert und „manipuliert“ wird, stellt aber auch Beispiele vor, wie das Reizthema „Ausländer in Deutschland“ verantwortungsbewusst und sachgerecht publizistisch behandelt werden kann. Es ist das Ziel des Autors, am Beispiel eines leider auch im Herbst 1995 noch aktuellen Themas die Debatte über die ethische und moralische Verantwortung der Medien zu beleben.

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