: Intellektuelle im faschistischen Italien

Intellektuelle im faschistischen Italien

Denk- und Verhaltensweisen (1922-1931)

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 24

Hamburg , 516 Seiten

ISBN 978-3-86064-282-5 (Print)

Zum Inhalt

Nach einem kurzen Einblick in die Literatur über den jahrhundertealten Kampf um Gewissens-, Denk-, Religionsfreiheit beginnt der Autor mit Definitionen des Begriffs „Intellektueller“ und beweist identische oder ähnliche Methoden der Verfolgung von Intellektuellen vor allem im 20. Jahrhundert.

Der erste Teil des Buches ist den intellektuellen Fähigkeiten Mussolinis und den Kollaborateuren des Duce gewidmet. Es gab solche, die sich um eine faschistische Doktrin oder um die Zerstörung des liberalen Staates bemühten. Andere befassten sich mit dem Zukunftstraum einer faschistischen Kultur, und viele bewiesen durch ihren Mussolinikult, dass sie ihres Verstandes nicht mächtig waren.

Bereits 1925 war jedoch eine Spaltung der Intellektuellen durch ein vom Philosophen Giovanni Gentile verfasstes Manifest offenbar geworden. Der Philosoph Benedetto Croce erteilte ihm mit großem Erfolg eine Antwort, welche die faschistische Presse lächerlich zu machen versuchte. Auch die Bewertung der Croce-Antwort nach 1945 vergisst der Autor in diesem zweiten Teil der Arbeit nicht.

Im dritten Teil schließlich wird die Opposition behandelt. Unter den Oppositionellen gab es nur wenige Einzelgänger wir Ernesta Battisi, Arturo Toscanini u.a. Viele Gegner meldeten sich im Parlament zu Wort oder in der Tagespresse und in Zeitschriften. Nach erfolgter Gleichschaltung gab es nur noch einige Geheimorganisationen, die zum Teil durch Verrat von Intellektuellen aufflogen. Oppositionelle zogen sich in Privatsalons zurück, welche die offene Aussprache unter Gleichgesinnten ermöglichte. Offene Oppositionsversuche wurden noch auf dem Philosophenkongress in Mailand 1926 und einige wissenschaftlich getarnte bei der Bearbeitung der Enciclopedia Italiana gewagt. Neben den Gymnasien sollten vor allem die Universitäten gewarnt werden, die bis 1931 vom Faschismus fast unberührt geblieben waren. In jenem Jahr wurde jedoch auf Vorschlag Gentiles von den Professoren ein Treueid auf das faschistische Regime verlangt und die Verpflichtung, die Studenten zu faschistischen Bürgern zu erziehen. Zwölf Gelehrte an sechs verschiedenen Universitäten lehnen ihn ab.

Zum Schluss des Buches wird ein Vergleich mit der Situation im „Dritten Reich“ gezogen, in dem die Gleichschaltung in fast allen Berufen viel schneller durchgeführt wurde als in Italien. Bereits 1934 wurde von den deutschen Universitätsprofessoren ein Treueid auf Hitler verlangt, den - nach gegenwärtigem Forschungsstand - kein Professor verweigert hat.

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