: Die Theorie von der Gradation der Form bei Roger Marston

Die Theorie von der Gradation der Form bei Roger Marston

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 13

Hamburg , 156 Seiten

ISBN 978-3-86064-197-2 (Print)

Zum Inhalt

Ein wichtiges Anliegen mittelalterlicher Denker war es, das Geglaubte zu verstehen oder theologische Wahrheiten philosophisch zu durchdringen. Die Frage nach der Existenz Gottes, nach der Schöpfung und nach Ewigkeit oder Endlichkeit der Welt, das Problem der Unsterblichkeit der individuellen menschlichen Seele stellten der Philosophie Erklärungs- und Begründungsaufgaben, auch wenn man die Wahrheit bereits im Glauben zu haben dachte.

Einen gewaltigen Aufschwung erlebten Theologie und Philosophie im 13. Jahrhundert durch die nunmehr immer vollständigere Rezeption der aristotelischen Schriften und durch die wissenschaftlichen Aktivitäten der gerade erst gegründeten Mendikantenorden der Dominikaner und Franziskaner, die auch auf diesem Gebiet in starke Konkurrenz zueinander gerieten. An der Pariser Artistenfakultät kam das besonders in der Fehde um die „richtige“ Auslegung des aristotelischen Hylemorphismus, der Lehre vom endlichen Sein als Kompositum aus Materie und Form, zum Ausdruck.

Verstand die Theologie die menschliche Seele als unsterbliches Individuum, so stellte sich die Philosophie, ausgehend von der aristotelischen Psychologie, die Frage, ob es denn nur eine einzige Seele als Form des Leibes geben könne, oder ob man Stufungen von Seelen oder Seelenteilen als unmittelbare Formen der Materie annehmen müsse, über die dann als letzte Formkraft die unsterbliche Seele hinzukäme.

Der Franziskaner Roger Marston war um 1270 in Paris bei einer Diskussion zwischen Johannes Peckham und Thomas von Aquin zugegen. Diese öffentliche Kontroverse nahm ihren Anfang mit Rogers Aussage, die eine Bekräftigung der Thesen des Johannes Peckham darstellte. In der 22. Quästion von Rogers zweitem Quodlibet, „Utrum creatura possit aliquid producere de nihilo“, stellt er seine Theorie von der Pluralität der Grade einer substantiellen Form ausführlich vor.

Den Mittelpunkt seiner Lehre bilden die von Averroës kommentierten aristotelischen Begriffe „Generatio“ und „Progressio“. Die in der materia prima in Potenz enthaltene forma diminuta oder Keimkraft werde durch Überführen von etwas aus der Potenz in den Akt verwirklicht, es entstehe eine erste Form-Materie-Verbindung. Diese erste forma diminuta erwerbe durch Steigerung und Veredelung nicht verschiedene Formen dazu, sondern nur ein mit verschiedenen Substanzen ausgestattetes esse einer Form. Dieses Buch gibt eine umfassende Darstellung der Lehre Roger Marstons von der Gradation der Form.

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