: Das Westdeutschlandbild in der Pravda

Das Westdeutschlandbild in der Pravda

Die Darstellung der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlins in der sowjetischen Presse

POLITICA – Schriftenreihe zur politischen Wissenschaft, Band 6

Hamburg , 360 Seiten

ISBN 978-3-86064-083-8 (Print)

Zum Inhalt

Ausgehend von der Überlegung, dass die Beziehungen zwischen Staaten, insbesondere aber der Ausbruch von Kriegen, in starker Weise von der gegenseitigen Wahrnehmung bedingt werden, untersucht diese Dissertation die Entwicklung von Feind- und Freundbildern in der sowjetischen Berichterstattung über Westdeutschland, hier definiert als die Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin. Anhand von 13624 Analyseeinheiten (inklusive Fotographien und Karikaturen) und in einem Zeitraum von über 22 Jahren, in dem sich die westdeutsch-sowjetischen Beziehungen vom Ende der Hallstein-Doktrin bis zum Gorbatschev-Besuch in Bonn 1989 grundlegend geändert haben, wurden mehrere Problemkreise erörtert:
1) Themen der Berichterstattung: Das sowjetische Westdeutschlandbild ist durch Revanchismus (Vertriebenenverbände), Neonazismus und Militarismus geprägt, deren Darstellung nach Beginn der sozialliberalen Ostpolitik einem Freundbild und der Darstellung der Friedensbewegung sowie wirtschaftlicher und sozialer Probleme weichen.
2) Die Abhängigkeit der Berichterstattung von der Parteilinie (Ideologie): Über 90% des Westdeutschlandbilds der Presse entsprechen thematisch und in der Bewertung dem Westdeutschlandbild der Parteidokumente. Diese Themen werden bevorzugt von TASS behandelt, während Korrespondenten verstärkt über nicht in den Parteidokumenten behandelte Themen schreiben.
3) Stereotypen in der Berichterstattung: Stereotypen, hier in Anlehnung an sozialpsychologische und soziologische Ansätze als konstante Werturteile definiert, fanden sich in über 90% der Analyseeinheiten, sowohl im Feind- als auch im Freundbild. Keine Stereotypen wurden in der Berichterstattung über die Auf- und Abrüstungsbereitschaft der Bundesregierung gefunden. Dieses für die Sicherheit der Sowjetunion wesentliche Thema wurde jedoch trotzdem im Sinne der Parteidokumente bewertet. Das Westdeutschlandbild der lokalen sowjetischen Presse orientiert sich stärker als das der Pravda an der Parteilinie und beinhaltet in stärkerem Maße Stereotypen.
4) Die Abhängigkeit der Berichterstattung von politischen Ereignissen: Grundlegende Veränderungen fanden sich jeweils bei einer Änderung der westdeutschen Ostpolitik und unabhängig von der jeweiligen Bundesregierung. Verbesserungen traten ein: 1969, nach Beginn der Brandtschen Ostpolitik, 1972, nach Abschluss der Ostverträge und 1971 nach der entsprechenden Änderung der Parteilinie auf dem XXIV. Parteitag, 1987 seit der Vorbereitung des INF-Vertrages. Eine Verschlechterung trat 1979 nach dem Nachrüstungsbeschluss ein. Die Politik der Glasnost? ab 1987 führte nicht zu einer Veränderung des Westdeutschlandbildes. Eine Änderung der Parteilinie führte jedoch zur Betonung positiver Aspekte der westdeutschen Wirtschaft.
5) Die Berichterstattung zu West-Berlin, das unter Berücksichtigung des sowjetischen Standpunktes als „eigenständiges Gebilde“ betrachtet wurde, unterscheidet sich kaum von der Berichterstattung zur BRD. Die Betonung der „Verletzungen des Berlin-Status“ soll offensichtlich ein Feindbild aufbauen.

Ihr Werk im Verlag Dr. Kovač

Bibliothek, Bücher, Monitore

Möchten Sie Ihre wissenschaftliche Arbeit publizieren? Erfahren Sie mehr über unsere günstigen Konditionen und unseren Service für Autorinnen und Autoren.

Nach oben ▲