Dissertation: Die slavischen Siedlungen im östlichen Holstein

Die slavischen Siedlungen im östlichen Holstein

Eine zweisprachige Sprachlandschaft?

Studien zur Slavistik, Band 47

Hamburg 2018, 302 Seiten
ISBN 978-3-8300-9908-6

Altpolabisch, Archäologie, Germanistik, Onomastik, Ortsnamen, Ostholstein, Siedlung, Siedlungsgeschichte, Slavistik, Spachkontakt, Sprachwissenschaft, Toponomastik, Zweisprachigkeit

Zum Inhalt

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Eutin, Preetz, Plön und Lübeck sowie viele weitere Ortsnamen (Toponyme) im Gebiet des östlichen Holsteins sind slavischer Herkunft. Sie bilden das einzige linguistische Zeugnis für die Anwesenheit einer slavischsprachigen Bevölkerung vom Früh- bis zum Hochmittelalter. Als allgemein historische Belege spiegeln Ortsnamen sich ständig wandelnde historisch-soziale Umwelten wider.

Das Gebiet des heutigen östlichen Holsteins erreichten die slavischsprachigen Einwanderungsgruppen gegen Ende des 7. Jahrhunderts und siedelten dort, wo zuvor Germanen lebten, die während der sogenannten Völkerwanderungszeit vielfach ihre Siedlungen aufgaben und nach und nach in Richtung Süden und Westen zogen. Zu einem erkennbaren sozialen Wandel in den Siedlungstätigkeiten während der slavischen Besiedlung kam es im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus Mitte des 12. Jahrhunderts, als mittelniederdeutschsprachige Neusiedler sich im östlichen Holstein niederließen.

Für den daraus entstandenen Sprachkontakt kommt den Ortsnamen, genauer gesagt, den sogenannten slavisch-deutschen Mischnamen die Eigenschaft als Zweisprachigkeitszeugnis zu. Nach bisherigem Forschungsstand soll anhand dieser eine bilinguale Kompetenz breiter sozialer Gesellschaftsschichten beider Gruppen nachgewiesen werden. Namenstheoretische Aspekte blieben in diesem Zusammenhang bislang unberücksichtigt und stellen im Bereich der Sprachkontaktuntersuchung ein absolutes Forschungsdesiderat dar. Die Autorin setzt sich eingehend mit dieser Eigenschaft der Mischnamen als Zweisprachigkeitszeugnis auseinander und prüft diese These aus namenkundlicher und namenstheoretischer Sicht. Darüber hinaus werden archäologische und historische Quellen herangezogen, um die Thematik aus einer übergreifenden kulturhistorischen Perspektive zu betrachten.

Des Weiteren erfolgt durch die Autorin eine erneute Untersuchung der Ortsnamen vor dem Hintergrund ihrer Herkunft, um bis heute nicht eindeutig geklärte Etymologien mit möglichen Deutungen zu versehen und das Ortsnamenmaterial des östlichen Holsteins an den heutigen Stand der deutsch-slavischen Onomastik anzupassen.



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