Wolfgang Gotthard Pergler Geistige Aufrüstung zum Ersten Weltkrieg
Max Schelers religiöse Kriegsargumentation und Aktualitäten
Hamburg 2017, 152 Seiten
Zum Inhalt
Max Scheler gehörte der Mehrheit von Intellektuellen an, die an der ‘geistigen Aufrüstung‘ von 1914 mitwirkten – als einflussreicher Autor und bedeutendster katholischer Philosoph Deutschlands.
Aus dem Spätidealismus heraus entwickelte er eine traditionalistische Haltung gegen die Aufklärung und nahm die Kritik von Kirche und Politik gegen die moderne Entwicklung von Gesellschaft und Staat auf. Seine religionsphilosophischen Überlegungen aus der Kriegszeit sind in diesem Buch systematisch aufgearbeitet. Als Abschluss werden Parallelen zu Inhalten heutiger politischer Programme aufgezeigt.
Der Erste Weltkrieg wurde von der Mehrheit der Gelehrten in ganz Europa mitgetragen. Besonders im Deutschen Reich war die Mehrheit der intellektuellen Gesellschaft in patriotischer Gesinnung vom Kriegsgeschehen und Deutschlands Rolle als gerechter Konfliktpartei überzeugt. Ein umfassendes Werk an Kriegsphilosophie entstand in den Jahren von 1914 bis 1918. Besonders zu Beginn der Auseinandersetzung waren die Stimmen euphorisch und moralisch bedenkenlos in ihrer Zustimmung – auch bei Christen und Humanisten.
Gerade in religiöser Hinsicht war die Zeit von großen Erklärungsversuchen getragen, die dazu bestimmt waren, das christliche Ethos mit seinem Tötungsverbot der Bibel und der Überlieferung Jesu Wirken und Worten, mit dem Kriegsgeschehen in Einklang zu bringen. Die Bemühungen waren insofern erfolgreich, als die Kriegsbegeisterung des Volkes durch Bedenken aus religiösen Gefühlen und Motiven kaum beeinträchtigt wurde und man mit gutem christlichen Gewissen in den Kampf ziehen oder ihn gutheißen konnte.
Wenn wir von diesem Effekt der Unterstützung der Kriegsmotive sprechen, so reden wir vom Klima einer geistigen Aufrüstung oder Mobilmachung – von einer Propaganda, die dazu bestimmt war, den Menschen Zweifel und Schuldgefühle zu nehmen. Der Krieg wurde weitgehend begrüßt, und seine grausamsten Komponenten, das Töten, sogar mit den friedfertigsten Intentionen christlichen Lebens in Einklang zu bringen versucht. Wir müssen aus historischer Sicht zugeben, dass dieser Versuch gelungen ist. Er ist nicht nur für die Zeit des Weltkrieges selbst gelungen, sondern hat Auswirkungen bis in die Gegenwart erhalten, wie im letzten Kapitel zu sehen sein wird.
Wolfgang Gotthard Pergler beschäftigt sich mit den religionsphilosophischen Überlegungen des deutschen Philosophen Max Scheler zum Ersten Weltkrieg. Dabei geht es darum, jene Elemente seiner Schriften zu extrahieren, die zur Aufrüstung des geistigen Klimas im Deutschen Reich beitragen konnten.
Im umfassenden Werk des Philosophen ist es von besonderem Interesse, wie sich in seinem Denken Religiosität und Krieg in Einklang bringen lassen. Nichts wiegt in seiner Beurteilung des Kriegsgeschehens schwerer, als es durch theologische Begründungen zu rechtfertigen. Jegliche pragmatische Politik, volkswirtschaftliche Überlegung oder jeglicher Historizismus weichen bei Scheler vor dem Gewicht theologischer Argumente in den Hintergrund. Er selbst sagte zum Krieg, dass ihm die Legitimation fehlen müsse, wenn ihm diese höhere Weihe fehlte.
Im Vordergrund der Untersuchung der folgenden Darstellung stehen Schelers Werke, die er direkt zu Kriegszeiten und zur damaligen politischen Thematik verfasst hat. Dies sind vor allem jene Schriften, die als Band IV der Gesammelten Werke unter dem Titel „Politisch-pädagogische Schriften“ im Jahr 1928 herausgegeben wurden. Darin findet sich als wichtigste Quelle das Werk „Der Genius des Krieges und der deutsche Krieg“ von 1915 – ein umfassender Beitrag mit zentralen Aussagen Schelers zur Kriegsbegründung, die in Deutschland großen Einfluss fanden.
Bibliografische Daten
| Autor | Wolfgang Gotthard Pergler |
| Titel | Geistige Aufrüstung zum Ersten Weltkrieg |
| Untertitel | Max Schelers religiöse Kriegsargumentation und Aktualitäten |
| Seiten | 152 |
| Erscheinungsjahr | 2017 |
| Erscheinungsdatum | 16.05.2017 |
| Ort | Hamburg |
| ISBN (Print) | 978-3-8300-9562-0 |
| eISBN (eBook) | 978-3-339-09562-6 |
| Schriftenreihe | BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie |
| Band | 133 |
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