Dissertation: Die evangelischen Gemeinden in Düsseldorf und Wuppertal und ihre Haltung zu den verfolgten Juden zwischen 1933 und 1945

Die evangelischen Gemeinden in Düsseldorf und Wuppertal und ihre Haltung zu den verfolgten Juden zwischen 1933 und 1945

Ein Beitrag zum Verständnis des Protestantismus und der bürgerlichen Mentalität in der Zeit des Nationalsozialismus

Studien zur Geschichte des Nationalsozialismus, Band 3

Hamburg 2016, 582 Seiten
ISBN 978-3-8300-9130-1

1933-45, Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Düsseldorf, Gemeindeforschung, Judenverfolgung, Kirchenkampf, Kirchenkampfforschung, Mentalitätsgeschichte, Nationalsozialismus, Oral History, Protestantismus, Wuppertal

Zum Inhalt

Wie haben sich evangelische Christenmenschen in ihren Kirchen?gemeinden an ihren konkreten Lebensorten zur Benachteiligung, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden im national?sozialistischen Deutschland verhalten? Welche Voreinstellungen waren leitend, wenn sie mitmachten, wenn sie sich wegduckten und wenn sie sich dem, was sie als Unrecht erkannten, entgegenstemmten? Wie haben sich Pfarrer verhalten, und wie hat ihr Verhalten ihre Gemeinden beeinflusst? Und wie haben getaufte und nicht getaufte Juden das Verhalten ihrer nichtjüdischen Mitchristen bzw. Mitbürger erfahren?

Auch nach mehr als nahezu sieben Jahrzehnten intensiver Kirchenkampf-Forschung sind viele Fragen hinsichtlich des Verhaltens der Evangelischen Kirche in nationalsozialistischer Zeit noch nicht befriedigend geklärt. Eine solche Arbeit betritt zweifellos Neuland, da bisher zwar eine Fülle von Einzeluntersuchungen vorliegen, die in der Regel einzelne Persönlichkeiten, zumeist die des Widerstandes erfassen, dazu Bewegungen (Deutsche Christen, Bekennende Kirche) und institutionelle Verflechtungen, doch nicht den Protestantismus als wesentlicher Ausdruck bürgerlicher Mentalität als Ganzes in den Blick nehmen und somit eine Antwort finden, warum die Ausgrenzung, Verfolgung und geplante Vernichtung der Judenheit in Deutschland unter dem NS-Regime auch unter den Protestanten billigende Zuschauer, Verbündete und Mittäter aber auch Kritiker, Gegner und Mitopfer fand. Wenige moderne und systematische Regionalstudien haben bislang Antworten auf die Frage gegeben, inwieweit die Evangelische Kirche in ihren einzelnen Gemeinden, sowohl innerhalb der Pfarrerschaft als auch auf Gemeindeebene, vom Nationalsozialismus beeinflusst worden ist.

Die Forschungsarbeit unterzieht sich dieser Aufgabe in wissenschaftlicher Eingrenzung der Thematik auf die Fragestellung nach der Haltung der evangelischen Kirchen gegenüber der Verfolgung der Juden und Christen jüdischer Herkunft auf lokalhistorischer Ebene, dargestellt anhand der Städte Düsseldorf und Wuppertal im Zeitraum 1933–1945. Analysiert werden Formen, Ausmaße und Grenzen einer nationalsozialistischen Durchdringung der evangelischen Gemeinden und den daraus resultierenden Verhaltensvarianten der hiesigen Pfarrer und Gemeindemitglieder. Der hier angewandte Forschungsansatz fragt dabei nicht nur nach religiösen, theologischen oder kirchlichen Motiven von Pfarrern und Gemeinden, sondern eben nach strukturell-gesellschaftlichen Kontextbedingungen, wie z.B. nach sozialen Zugehörigkeiten wie Beruf oder Familienstand, nach Geschlecht, Alter, Prägungen politisch-kultureller Art, nach verhaltensbestimmenden biographischen Voraussetzungen oder nach Familienverhältnissen.



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