Dissertation: Chinesische Zeit – Deutsche Zeit

Chinesische Zeit – Deutsche Zeit

Eine sprachvergleichende Untersuchung metaphorischer Konzeptualisierung

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 214

Hamburg 2016, 274 Seiten
ISBN 978-3-8300-8999-5 (Print & eBook)

Bewegung, Chinesisch, Deixis, Germanistische Linguistik, Kognitive Linguistik, Konzept, Metapher, Metapherntheorie, Metaphorischer Konzeptualisierung, Raum-Zeit-Metaphorik, Sapir-Whorf-Hypothese, Sprachvergleich, Universalien, Zeit, Zeitmetapher

Zum Inhalt

„Die Zeit ist kurz oder lang. Es gibt winzige Augenblicke und Zeiträume lassen sich ausdehnen. Die Zeit steht nie still, kommt stetig näher und geht vorüber. Die Zeit läuft, rast, verrinnt und verfliegt. Die Zeit heilt alle Wunden. Aber sie wartet auch nicht und verschont niemanden. Sie schreibt ihren Namen in unser Gesicht. Sie ist ein Gift und Gegengift. Die Zeit ist wertvoll. Man kann sie sparen, investieren, aber auch verschwenden. Die Zeit ist dicht wie gefallene Blätter. Sie ist eine Sanduhr, ein Pfeil, ein Radiergummi der Erinnerung, ein Schwert. Die Zeit ist Wasser auf dem Weg nach Osten, ein weißes Fohlen und ein Weberschiffchen. Die Zeit ist ein Messer zum Schweinetöten. Die Zeit ist so die Bitch!“

Wie diese Beispiele deutscher und chinesischer Zeitmetaphorik in Mikroblogeinträgen zeigen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den temporalen Aspekt der Wirklichkeit sprachlich zu erschließen. Viele dieser Zeitmetaphern lassen sich systematisieren und konzeptuellen Mustern zuordnen. Kann man von diesen Systematisierungen auf grundlegende Unterschiede schließen? Haben die Chinesen eine zirkuläre Zeitvorstellung? Fließt die Zeit im Chinesischen von oben nach unten?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Theoretische Betrachtungen sind dabei ergänzt durch eine empirische Analyse der Verwendung von Zeitmetaphern in deutschen und chinesischen Mikroblogs sowie eine Untersuchung deiktischer Bewegungsverben in beiden Sprachen.

Die Gesamtbetrachtung der Zeitmetaphorik ergibt, dass in den untersuchten Sprachen zahlreiche vergleichbare konzeptuelle Metaphern vorliegen und auch im Bereich der Raum-Zeit-Metaphorik grundlegende Übertragungsprinzipien identisch sind. Das Prinzip der Übertragung lässt strukturelle Variationen zu, die sich im Falle der deiktischen Bewegungsverben systematisch erklären lassen. Variationen erweisen sich bei genauer Betrachtung nicht als ein alternatives sprachbedingtes Zeitmodell, sondern als Ergänzung zu einem in beiden Sprachen nachweisbaren Grundmodell.



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