Forschungsarbeit: Wahrnehmung pädagogischer Fallstudien

Wahrnehmung pädagogischer Fallstudien

Darlegung einer zeitgenössischen Methode

Schriften zur Pädagogischen Theorie, Band 10

Hamburg 2017, 120 Seiten
ISBN 978-3-8300-8869-1 (Print & eBook)

Rezensionen

[...] der bestechenden Argumentation, vorbildlichen Klarheit und Einfachheit der Ausdrucksweise [...], vorausgesetzt, dass man einen langen und guten Willen hat und einen länger andauernden Gedankengang verfolgen kann. Dies wird dadurch erleichtert, weil auch der Autor sich an ein zentrales didaktisches Prinzip in der Wissenschaft hält, nämlich an die Forderung, Klarheit und Verständlichkeit der wissenschaftlichen Sprache zu verwirklichen.

Dietmar Langer, in:
Pädagogische Rundschau, 72 (2018) 4

[...] Karl Binneberg hat einen lesenswerten, zum Nachdenken anregenden Band vorgelegt. Wenn auch die inzwischen theoretisch und methodologisch fortgeschrittenen Erkenntnisse fallrekonstruktiver Verfahren in den Sozial- und Geisteswissenschaften im Hintergrund verbleiben, so werden gerade die für die pädagogischen Fallstudien zentralen Fragen ihrer Grundlegung und Bedeutung, aber auch ihrer Grenzen und Herausforderungen deutlich gemacht. Sowohl für die Praktiker als auch für die mit Fallstudien befassten Forschenden der Disziplin bietet der überschaubare Band vielfältige Anregungen und Perspektiven.

Eberhard Nölke, in:
Socialnet Rezensionen, 27.08.2019

Aristoteles, Carl Friedrich von Weizsäcker, Common Sense, Erziehungswissenschaft, Fallstudie, Günter Patzig, Hans-Hermann Groothoff, Hans-Martin Gauger, Kasusitik, Logik, Moral, Pädagogik, Sprachanalyse, Walter Kempowski, Wolfgang Klafki

Zum Inhalt

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Das neue Buch des Autors Karl Binneberg beginnt mit einem Glanzstück, das den Titel „Plädoyer für pädagogische Fallstudien“ hat. Wolfgang Klafki bezeichnete dieses einleitende Plädoyer als ein Paradestück.

Worin liegt nun aber die spezielle Möglichkeit der kasuistischen Methode, wenn sie sich mit besonderer Eindringlichkeit auf das genaue Studium von Einzelfällen einlässt? – Auf diese Frage lässt sich in dem Versuch einer realistischen und pragmatischen Einschätzung ihrer Möglichkeiten, im Sinne einer methodologischen Hypothese, folgendermaßen antworten:

Die pädagogische Kasuistik

  • kann erstens im Ausgang von Einzelfällen durch theoretische Analyse zur Konzeption von Hypothesen und Theorien beitragen, die wir zur Systematisierung, Interpretation und Erklärung pädagogischer Erscheinungen benutzen, wie sie uns in der Wirklichkeit und in Texten aller Art entgegentreten;
  • sie kann zweitens durch eindringliche und keine Einzelheiten scheuende Fallstudien zur Erläuterung, Verfeinerung und Erweiterung vorhandener Hypothesen und Theorien beitragen, um damit die pädagogischen Ereignisse und Vorgänge angemessener als zuvor beobachten und beschreiben, erklären und systematisch ordnen zu können;
  • sie kann drittens zur Korrektur und Revision von Hypothesen und Theorien beitragen, wenn diese sich bei wiederholter kasuistischer Prüfung als lückenhaft und pauschal, undeutlich und unangemessen erweisen;
  • und sie kann viertens zur Handlungsorientierung des pädagogischen Praktikers beitragen, indem sie ihn unmittelbar in das Wechselspiel von anspruchsvoller Theorie und nicht zu kurzatmig interpretierter Praxis einführt.

Das umfangreiche zweite Kapitel des Buches enthält sieben tiefgreifende Überlegungen, was Inhalt und Methode der pädagogischen Kasuistik angeht: In allen Traktaten sind sowohl die Literaturkenntnis wie die Sachkenntnis superb. Eine methodische Zwischenbemerkung bringt die zeitgenössische Darlegung der kasuistischen Methode.

Frappierend auch die Entdeckung der Gedanken des Aristoteles in den Überlegungen über die pädagogische Kasuistik sowie die analogische Methode. Ja, sogar Kants Kasuistik in „Kant as casuist“ (W. I. Matson).

Sechs exzellente Fallstudien verleihen dem Buch im dritten und letzten Kapitel einen herausragenden Status. Die letzte, größte Fallstudie beschäftigt sich mit Walter Kempowskis genialer Dichtung „Unser Herr Böckelmann“. Sie beschreibt, auf welche Weise die 6–7-jährigen Schüler ihren Lehrer, den sie „Herr Böckelmann“ nennen, wahrnehmen. Die szenische Darstellung des Verhältnisses zwischen Herrn Böckelmann und seinen Schülern steckt voller Humor. Dies führt Professor Rudolf Lassahn, den Herausgeber der Zeitschrift „Pädagogische Rundschau“ zu folgender brieflicher Äußerung: „Der Text birgt Humor, der in pädagogischen Arbeiten Mangelware ist. Mit Ihrem Hinweis, dass ich Freude beim Lesen haben werde, haben Sie meine Reaktion richtig eingeschätzt“ (Brief vom 3. September 2014). Ein gleiches gibt Michael Rücker, Lektor des Peter Lang Verlages, zu erkennen: er habe den Artikel mit demselben Vergnügen gelesen wie Professor Lassahn. Der zweite und letzte Höhepunkt innerhalb der letzten Fallstudie liegt in Kempowskis Frage nach der Seele des Menschen: „Die Seele – Was ist die Seele“ Auf diese Frage kann man heutzutage sinnvoll nur antworten, wenn man die Hirnforschung berücksichtigt. Das eindringlichste Werk auf diesem Gebiet ist das von Norbert Elsner und Gerd Lür herausgegebene Buch mit dem Titel „Das Gehirn und sein Geist“ (Göttingen, 2000). Darin sind für einen Pädagogen die wichtigsten Abhandlungen von Günther Patzig (Leib und Seele – das aristotelische Paradigma), Norbert Elsner (Die Suche nach dem Ort der Seele). Andreas Kemmerling (Ich, mein Gehirn und mein Geist: Echte Unterschiede oder falsche Begriffe).



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