Doktorarbeit: Zu Gast in Deutschland – Staatsbesuche in der Weimarer Republik und im Dritten Reich

Zu Gast in Deutschland –
Staatsbesuche in der Weimarer Republik und im Dritten Reich

Schriften zur Kulturgeschichte, Band 38

Hamburg 2016, 288 Seiten
ISBN 978-3-8300-8833-2 (Print), ISBN 978-3-339-08833-8 (eBook)

Rezension

[...] Mäuer schildert für beide Abschnitte – Republik wie Diktatur – narrativ breit die Vorbereitungen und Abläufe der Besuche [...]. Es gelingt ihm [...] über das Narrative hinaus gut, aus den Besuchen und deren Inszenierungen die jeweilige symbolische Bedeutung zu entschlüsseln.

Wolfgang Elz, in:
Historische Zeitschrift, Band 304, Heft 3 (Jun 2017)

Adolf Hitler, Benito Mussolini, Charismatische Herrschaft, Geschichtswissenschaft, Inszenierung, Miklós Horthy, Nationalsozialismus, Repräsentation, Rituale, Staatsbesuche, Symbolische Politik, Zeremoniell

Zum Inhalt

Fünf Staatsbesuche wurden im Deutschen Reich in den zwanzig Jahren zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs offiziell begangen. Zwei davon in der Weimarer Republik, die im Februar 1928 den afghanischen König Aman Ullah und im Juni 1929 den ägyptischen König Fuad empfing. Drei Staatsbesuche fallen in die Jahre der nationalsozialistische Herrschaft: der Besuch Mussolinis im September 1937, der des ungarischen Reichsverwesers Horthy im August 1938 und der des jugoslawischen Prinzregenten Paul im Juni 1939.

Als Beitrag zu einer Kulturgeschichte des Politischen im 20. Jahrhundert beschreibt die Studie, auf welche Weise die ausländischen Staatsoberhäupter in Deutschland empfangen worden sind. Anhand der spezifischen Gestaltung der Staatsbesuche identifiziert sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten der staatlichen Selbstdarstellung in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“.

Die feierliche Begrüßung des Gastes an der Grenze oder am Bahnhof, die Stellung eines Ehrengeleits für die Dauer seines Aufenthalts, der Einzug in der Hauptstadt, die Erweisung militärischer Ehren, das Abhalten militärischer Paraden, das feierliche Staatsbankett zu Ehren des Gastes, das Tragen einer bestimmten Kleidung, der gegenseitige Austausch von Orden und Geschenken und schließlich die feierliche Verabschiedung des Gastes – all dies sind ganz typische Elemente von Staatsbesuchen, die deutlich machen, dass es sich bei ihnen um eine Folge von Ereignissen mit rituellem und zeremoniellen Charakter handelt.

Ein Hauptaugenmerk der Untersuchung gilt der Frage, wie solche typischen Elemente aus dem an Ritualen und Zeremonien reichen Arsenal der Staatsbesuchstradition in der jeweiligen politischen Ordnung adaptiert wurden. Stellten den Staat bestimmte, von ihm im Rahmen eines Staatsbesuches erwartete Verhaltensweisen vor Probleme oder wurden kontrovers diskutiert? Aber genauso: Zeigte er an einzelnen rituellen und zeremoniellen Besonderheiten von Staatsbesuchen ein gesteigertes Interesse? Zum anderen wird danach gefragt, welche Orte, Plätze und Einrichtungen besucht und welche Veranstaltungen vorgeführt wurden – kurz: Welches Bild von „Deutschland“ wurde im Verlauf der Besuche gezeichnet? Welche Leitmotive beherrschten ihre Programme? Und welche Legitimationsstrategien lagen ihrer Inszenierung zugrunde?



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