Dissertation: Sprachnorm, Sprachbewertung, Sprachlehre

Sprachnorm, Sprachbewertung, Sprachlehre

Zum Umgang mit flexionsmorphologischer Varianz in deutschen Schulgrammatiken (1801–1932)

PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 204

Hamburg 2015, 292 Seiten
ISBN 978-3-8300-8583-6 (Print & eBook)

Rezensionen

[...] Neben der Frage, ob Varianz in historischen Schulgrammatiken überhaupt eine Rolle spielt und, wenn ja, wie viel Varianz die Autoren aus welchen flexionsmorphologischen Themenbereichen aufgreifen, wird die Darstellung von Varianz, zuvorderst die Markierungspraxis in Schulgrammatiken, beschrieben. Dabei werden die angeführten Marker in Gänze erfasst, um beispielsweise das metasprachliche Bewertungsvokabular der Grammatiker systematisiert darzubieten.

Didaktik Deutsch, 40/2016

[...] beschäftigt sich D. Banhold mit einem Problem, das nicht nur aus sprachhistorischer Sicht von großem Interesse ist: Wie wird in Sprachkodizes, die ja maßgeblich für die Verbreitung und Stabilisierung von Sprachnormen verantwortlich sind, mit sprachlicher Variation umgegangen? [...]
Die Studie kann deutlich zeigen, dass Schulgrammatiken im 19. Jh. einen beachtlichen Anteil am Prozess der Ausbildung einer deutschen Standardsprache hatten.

Markus Hundt, in:
Germanistik, 56(2015)

19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Deutsch, Germanistik, Grammatikunterricht, Linguistik, Schulgrammatik, Sprachdidaktik, Sprachgeschichte, Sprachkodex, Sprachliche Zweifelsfälle, Sprachnorm, Sprachvariante, Sprachwandel, Standardsprache

Zum Inhalt

deutsch | english

In der sprachlichen Wirklichkeit trifft die Sprachgemeinschaft immer wieder auf sprachliche Varianten (wie ich fragte vs. frug, die Bogen vs. Bögen, runder vs. ründer, unser vs. unsrer). Dahinter stehen sprachhistorisch gesehen Sprachwandelprozesse und in der Sprachwissenschaft die Einsicht, dass Sprache sich nicht in einer invariablen Standardvarietät erschöpft, sondern sich vielfältig ausdifferenziert. Von besonderer Bedeutung ist dieses Faktum für die Arbeit an Texten wie Grammatiken und Wörterbüchern, die standardsprachliche Normen kodifizieren.

Diese Untersuchung ergründet den Charakter des neuhochdeutschen Sprachkodex, und zwar ausschnitthaft anhand historischer Schulgrammatiken und mit Blick auf die Darstellung flexionsmorphologischer Varianz. Neben der Frage, ob Varianz in historischen Schulgrammatiken überhaupt eine Rolle spielt und, wenn ja, wie viel Varianz die Autoren aus welchen flexionsmorphologischen Themenbereichen aufgreifen, wird die Darstellung von Varianz, zuvorderst die Markierungspraxis in Schulgrammatiken, beschrieben. Dabei werden die angeführten Marker in Gänze erfasst, um beispielsweise das metasprachliche Bewertungsvokabular der Grammatiker systematisiert darzubieten. Interessant erscheinen diesbezüglich vor allem Korrelationsfragen wie Sind dialektale Varianten schlecht? oder Werden umgangssprachliche Varianten abgewertet?

Die Studie ist in vielfacher Hinsicht ein Desiderat: Sie präsentiert wichtige Erkenntnisse für die Sprachwandelforschung. Sie erforscht den neuhochdeutschen Sprachkodex. Sie erhebt erstmalig umfassend in Grammatiken aufgenommene sprachliche Varianz. Sie verbindet Linguistik und historische Schulbuchforschung. Und schließlich eröffnet die Präsentation des Datenmaterials Nutzungsmöglichkeiten für weitere Forschungsfragen (z.B. für die Dialektologie oder die Natürlichkeitstheorie).

Die Analyse reiht sich somit in das ungebrochene Interesse an der Erforschung der neuhochdeutschen Standardsprache ein. Sie stellt aber nicht nur einen Beitrag zur Erforschung des neuhochdeutschen Sprachkodex dar, sondern eröffnet auch interessante Einblicke in den Diskurs um den (historischen) muttersprachlichen Grammatikunterricht, wie er sich im 19. Jahrhundert etabliert.

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