Dissertation: Das essayistische und publizistische Werk von Heinrich Böll

Das essayistische und publizistische Werk von Heinrich Böll

Schriften zur Literaturgeschichte, Band 21

Hamburg 2015, 210 Seiten
ISBN 978-3-8300-8535-5 (Print & eBook)

Essayistik, Heinrich Böll, Kirche, Kommunismus, Literaturästhetik, Literaturessays, Literaturgeschichte, Neuere Deutsche Literatur, Schriftstellerporträt, Trümmerliteratur, Vergangenheitsbewältigung

Zum Inhalt

Das Schaffen von Heinrich Böll hat hunderte von engagierten Federn in Bewegung gesetzt. Reihenweise entstanden Monografien und die Zahl der Böll gewidmeten wissenschaftlichen Aufsätze und Essays dürfte zur Zeit in die Tausende gehen. Es wäre erlaubt unter diesen Umständen zur vermuten, dass kein einziger Aspekt des Lebenswerks des Nobelpreispreisträgers unausgeleuchtet geblieben ist. Merkwürdigerweise entspricht diese Annahme nicht der tatsächlichen Lage. Böll hat seit Mitte 1950er Jahre eine rege publizistische Tätigkeit entfaltet, deren Ergebnisse einige umfangreiche Bände füllen.

Mit „publizistisch“ habe ich Texte mannigfaltiger Art im Sinne: Beiträge zum aktuellen politischen Geschehen, Buchrezensionen, allgemein gehaltene Literaturbetrachtungen, Schriftstellerporträts, Reflexionen über die Weltlage, ansonsten Stellungnahmen zu diversen Themen. Insgesamt bilden sie innerhalb seines Werkes einen abgesonderten, dabei überaus belangvollen Bereich. Zum bekannten Böll-Bild fügen diese Texte manch eine überraschende Erkenntnis hinzu. Man erlebt Böll als einen glänzend formulierenden Literaturkritiker. Immer wieder gibt er sich als ein unerbittlicher Polemiker zu erkennen. Seine Ab- und Zuneigungen lernt man, ob es sich um Literatur oder Gestalten des öffentlichen Lebens handelt, in direkter Form kennen. Manche seiner publizistischen Veröffentlichungen haben wie ein Blitz eingeschlagen, „Bekenntnis zur Trümmerliteratur“ hat auf eine gültige Weise die Generationserfahrung jener Gruppe von Autoren zusammengefasst, die nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches es zu ihrem Schreibprogramm erklärten, von dem ungeheuerlichen Geschehen, ein unverfälschtes Bild zu liefern. Aber Bölls Literaturbegriff war nicht auf Ästhetik begrenzt. Er hat Wolfgang Borchert ein essayistisches Denkmal errichtet, aber er fand auch emphatische Worte für episch ausufernde Romane des Amerikaners Thomas Wolfe.

Seine Betrachtungen zur Literatur bilden ein Plädoyer für die Werke der sowjetischen Dissidenten, deren Ethos am vollkommensten Aleksander Solschenizyn verkörperte. Dabei ging es Böll keineswegs um reine Literaturfragen: Indem er für Solschenizyn und seine Gesinnungsgenossen Partei ergriff, verfocht er das für ihn fundamentale Problem der menschlichen Freiheit und Würde.



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