Forschungsarbeit: Warum moralisch handeln?

Warum moralisch handeln?

Eine Darstellung und Kritik der Antwort Peter Singers

Ethik in Forschung und Praxis, Band 20

Hamburg 2018, 362 Seiten
ISBN 978-3-8300-7976-7

Eigeninteresse, Ethik, Moral, Moralbegründung, moralisch Handeln, Peter Singer, Philosophie, Praktische Ethik, Sinn des Lebens, Universaler Standpunkt, Utilitarismus

Zum Inhalt

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Während Peter Singers praktisch-ethische Thesen auch 40 Jahre nach dem Erscheinen seiner „Praktischen Ethik“ noch massiver Kritik ausgesetzt sind, widmete sich bislang noch keine Studie ausführlich seiner Antwort auf die Frage, weshalb man überhaupt moralisch handeln sollte. Das ist insofern verwunderlich, als Singer sich dem Thema mehrfach widmet und seine Ansichten auf einem ‘hohen‘ Moralverständnis beruhen, bei dem sich die Frage nach einer rationalen Begründung für moralisches Handeln notwendig stellt: Ein ethisch Handelnder müsse die Interessen aller schmerzempfindenden, in Gegenwart und Zukunft denkenden Lebewesen ebenso berücksichtigen wie die eigenen. Wie kann eine solche Ethik im Eigeninteresse jedes Menschen liegen?

Nach einer Einführung in Singers Leben und Werk weist Sören Swoboda bereits anhand zentraler mit der Frage „Warum moralisch handeln“ verbundener Probleme auf die Unmöglichkeit einer adäquaten Antwort hin. Im Anschluss stellt er Singers Position dar und unterzieht sie einer umfassenden Kritik: Sie fasziniert, erweist sich aber weder mit Blick auf ihren Argumentationsgang noch im Ergebnis als tragfähig. Vielmehr offenbart sie die Paradoxien jedes übersteigerten Ethikverständnisses. Der „universale Standpunkt“, den jeder nach Moral Strebende einzunehmen verpflichtet sei, klingt attraktiv, öffnet in seiner Konsequenz aber der Unmenschlichkeit Tür und Tor und bietet erst den Nährboden für jene – mehr oder weniger berechtigt – als „unmenschlich“ zurückgewiesenen praktisch-ethischen Vorschläge Singers. Insofern liefert Swobodas kritische Untersuchung seiner Antwort auf die Frage „Warum moralisch handeln“ einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Dekonstruktion seiner „Praktischen Ethik“.

Darüber hinaus eröffnet das Buch ausblickartig eigene Perspektiven: Um begründbar und ‘menschlich‘ zu bleiben, darf Moral weder vom „universalen Standpunkt“ aus konzipiert werden noch allein am Wohl des Nächsten orientiert sein. Vielmehr gilt es, sich von idealistischen Moralvorstellungen zu lösen, ohne dem Trug der ebenso schlecht zu begründenden Scheinreligion des Egoismus zu erliegen. Erfolg versprechende Ansätze, die Frage „Warum moralisch handeln“ zu beantworten, entstehen vielmehr dort, wo nicht nach der einen Antwort gesucht wird, wo menschliches Denken und Handeln als komplexe Vorgänge innerhalb komplexer, individueller Situationen begriffen werden, wo akzeptiert wird, dass moralisches Handeln niemals für jeden und in jeder Situation begründbar sein kann, und wo man die Bereitschaft zeigt, die Frage ihrem Wesen nach umzuformulieren: „Warum der Tendenz nach moralisch handeln“



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