Forschungsarbeit: Die Geschichte der Naturwissenschaften im Wandel erkenntnistheoretischer Positionen

Die Geschichte der Naturwissenschaften im Wandel erkenntnistheoretischer Positionen

Von der biologischen Evolution zur kulturellen Evolution

BOETHIANA – Forschungsergebnisse zur Philosophie, Band 104

Hamburg , 202 Seiten

ISBN 978-3-8300-7561-5 (Print)
ISBN 978-3-339-07561-1 (eBook)

Zum Inhalt

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Seit dem Beginn der menschlichen Entwicklung ist es eine unserer ältesten Bestrebungen, die Geheimnisse der Natur zu ergründen, sie wissenschaftlich zu erforschen. In der frühen Antike entfaltete sich mit der vorsokratischen Naturphilosophie das wissenschaftliche Denken in der abendländischen Welt. Nach der Antike markierte neben Platons Idealismus die aristotelische Naturphilosophie den Beginn einer systematischen und methodischen Erfassung der Naturerscheinungen. Beide bestimmten das abendländische Denken über das Mittelalter hinaus bis in die Neuzeit. Nachdem im Früh- und Hochmittelalter der christliche Glaube über der Erkenntnis stand, entwickelten sich im Spätmittelalter Tendenzen autonomen Denkens.

Im Übergang zur Neuzeit fällt die Selbstverwirklichung des Denkens in jene Periode unserer abendländischen Geschichte, die über die Säkularisierung, die Renaissance, den Humanismus, die Reformation und die Aufklärung bis in unsere Gegenwart reicht. Die Aufklärung fordert die Unabhängigkeit der Vernunft vom Dogmatismus des Glaubens.

In den Naturwissenschaften vollzieht sich der paradigmatische Wandel von der ptolemäischen zur kopernikanischen Weltanschauung. Mit seinem epochalen Werk „Philosophiae naturalis Principia Mathematica“ gilt Sir Isaak Newton als der Begründer der klassischen und theoretischen Physik.

Durch die Fortschritte in den Wissenschaften und in der Technik und dem daraus hervorgehenden industriellen Zeitalter zu Beginn des 19. Jahrhunderts haben sich die erkenntnistheoretischen Positionen in der Philosophie grundlegend geändert. Das klassische Weltbild der Physik erfährt eine tiefgreifende Revision. Es setzt sich die Einsicht durch, dass das Erkenntnisideal der apodiktischen Wahrheit in den Naturwissenschaften eine Illusion ist. Wir leben in einem offenen Universum, in dem wir wissenschaftliche Probleme im Bewusstsein unserer Unwissenheit und Fehlbarkeit lösen müssen:

Es gibt kein eindeutiges Wahrheitskriterium.
Hypothesen und Theorien sind nicht absolut beweisbar.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist von zwei Fundamentaltheorien geprägt, die sich in ihren methodischen, strukturellen und begrifflichen Grundlagen elementar von der klassischen Physik unterscheiden:
Die Relativitätstheorie und die Quantentheorie.

Bei allem Erkenntnisfortschritt steht die Menschheit in der Erforschung des Universums vor einem Dilemma: Je tiefer die Forschung in die Geheimnisse des Universums eindringt, je mehr Erkenntnisse sie gewinnt, umso mehr schwindet durch immer neuartigere und abstraktere Fragestellungen der Glaube an die Erfahrbarkeit der Welt und an den materialistisch reduktionistischen Traum einer universellen „Theory of everything (Toe)“.

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