Doktorarbeit: Die Abschlussphase des menschlichen Wachstums

Die Abschlussphase des menschlichen Wachstums

Longitudinale Ganzkörper- und Unterschenkelmessungen (Knemometrie) an jungen Erwachsenen zur Bestimmung des biologischen Alters und für forensische Zwecke

Forschungsergebnisse aus dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Band 23

Hamburg 2013, 236 Seiten
ISBN 978-3-8300-7184-6 (Print & eBook)

Altersbestimmung bei Lebenden, Biologie, Forensische Anthropologie, Knemometrie, Methodenstudie, MRT, Nichtinvasiv, Rechtsmedizin, Skelettaltersbestimmung, Unterschenkellänge, Wachstum

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Im Fokus dieser Studie stand zum einen die Aktualisierung der Datengrundlagen zum Verschluss der proximalen Tibiaepiphyse und weiterer Körpermaße für die Untersuchung biologischer Fragestellungen zu Tempo und Amplitude des Wachstums bei rezenten jungen Männern sowie zum anderen die Entwicklung einer nichtinvasiver Methoden zur forensischen Altersbestimmung bei Lebenden (Knemometrie und MRT).

Die wöchentliche Datenerhebung erfolgte anhand einer Stichprobe bestehend aus 41 jungen Männern (15 – 19 Jahre alt) aus Hamburg und Schleswig-Holstein über einen Zeitraum von einem Jahr. Die Messungen der Unterschenkellängen wurde mit einem neu entwickelten, tragbaren Knemometer für Erwachsene (SD 0,3 mm) durchgeführt. Es wurde nachgewiesen, dass das adoleszente finale Unterschenkelwachstum durch einen knemometrisch dokumentierten Schrumpfungsprozess begleitet wird. Bei radiologisch (MRT) nachgewiesenem proximalen Tibiaepiphysenverschluss zeigte sich, dass die Unterschenkel mit einer negativen Wachstumsrate von -2,4 (SD 2,1) mm signifikant zu schrumpfen beginnen. Eine Phase der Reduzierung der Länge von Langknochen zum Ende des Wachstums wurde bislang nicht als Teil des physiologischen Wachstumsprozesses diskutiert. Angesichts der Ergebnisse wird angenommen, dass eine Komprimierung der noch nicht mineralisierten Bereiche der sich schließenden Wachstumsfuge ein physiologisches Ereignis während des finalen Wachstums bei Adoleszenten darstellt.

Begleitend wurden pro Probanden je zwei Magnetresonanztomografien (MRT, bei Einschluss in die Studie und ein Jahr später) der rechten proximalen Tibiaepiphyse angefertigt, um den radiologisch nachweisbaren Zeitpunkt des Epiphysenverschlusses zu dokumentieren. Je nach Reifegrad der Epiphyse wurden die Aufnahmen in drei Kategorien (I: offen, II: zentral geschlossen, III geschlossen) eingeteilt. Das entwickelte Beurteilungsschema wurde von sechs Untersuchern angewendet. Die errechnete Interobserver-Reliabilität (Fleiss-Kappa-Index) ergab mit κ = 0.9 einen hohen Grad an Übereinstimmung. Es zeigte sich, dass sich die proximale Tibiaepiphyse bei den untersuchten jungen Männern in einem Alter zwischen 15 und 19 Jahren zu verschließen beginnt, und der Prozess überwiegend mit 18 Jahren beendet ist. Diese Ergebnisse bieten nach Validierung einen neuen Methodenansatz zur nichtinvasiven Altersschätzung bei Lebenden.

Die Forschungsergebnisse haben neben dem anthropologischen grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn über das menschliche Wachstum insbesondere auch eine Bedeutung für die forensische Altersdiagnostik an Lebenden.

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