Dissertation: Vertrauen im betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagement

Vertrauen im betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagement

Verhaltenstheoretische Betrachtung von Vertrauen als ökonomierelevante Kategorie

Nachhaltigkeits-Management – Studien zur nachhaltigen Unternehmensführung, Band 12

Hamburg 2013, 392 Seiten
ISBN 978-3-8300-7064-1 (Print & eBook)

Betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement, Nachhaltigkeitslabelling, Nachhaltigkeitsmanagement, Ökonomik, Stakeholdermanagement, Strategisches Management, Verhaltenswissenschaft, Vertrauen

Zum Inhalt

Beeinträchtigungen der Natur durch das Wirtschaften wird heute niemand mehr bestreiten wollen. Sie sind in zahlreichen Studien gut dokumentiert und naturwissenschaftlich belegt. Die resultierenden ökologischen, aber auch sozialen Probleme und die daraus folgende Bedrohung der Menschheit sind real existent. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene wurde Konsens über die Notwendigkeit von Veränderungen in Richtung einer überlebensfähigen und lebenswerten Entwicklung, einer nachhaltigen Entwicklung erzielt. Dies stellt auch neue Herausforderungen an das Wirtschaften.

Unternehmen als Hauptakteure im Wirtschaftsgeschehen stellen sich seit einigen Jahren diesen Aufgaben. Gefordert und gefördert durch staatliche Interventionen, Kundenwünsche sowie durch von NGOs und Medien erzeugte öffentliche Aufmerksamkeit nehmen sie ihre Verantwortung in der Gesellschaft in weitaus höherem Maße wahr als noch vor einigen Jahren. Sowohl aus strategischen als auch aus ethischen Motiven integrieren sie im Sinne eines betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagements ökologische und soziale Aspekte in die Unternehmensführung. Auch wenn ein solches Umdenken noch nicht vollständig erfolgt ist, so gibt es doch zahlreiche Erfolgsgeschichten. Dennoch sehen sich, wie zahlreiche empirische Studien belegen, gerade auch proaktive Unternehmen Umsetzungshemmnissen eines umfassenden Nachhaltigkeitsmanagements ausgesetzt. Dazu zählen Wahrnehmungsbarrieren, Kosten- bzw. Preisvorbehalte und Nutzendilemmata, vor allem aber auch Vertrauensdefizite.

Gleichwohl kommt Vertrauen, wie schon im 5. Jahrhundert vor Christus von KONFUZIUS festgestellt, in der Koordination zwischenmenschlicher Beziehungen eine herausragende Bedeutung zu. Somit verwundert die allgemeine Präsenz der Vertrauensthematik in den Medien und im öffentlichen Leben nicht. Vertrauen wird immer dann relevant, wenn Menschen gezwungen sind, in komplexen, unsicheren Situationen Entscheidungen über die Interaktion mit anderen zu treffen. Vertrauen mündet in der Erwartung, dass der, dem es entgegengebracht wird, dieses nicht ausnutzt und beruht auf Eigenschaften wie Glaubwürdigkeit, Integrität und Zuverlässigkeit. Es ermöglicht die Interaktion, macht den, der Vertrauen schenkt, aber auch angreifbar.

Was im Allgemeinen gilt, betrifft auch die arbeitsteilige Wirtschaft und ist dort von Bedeutung, wo in der Ökonomik traditionell betrachtete Koordinationsmechanismen, wie der Preis oder die Kontrolle, aufgrund von Markt- bzw. Kontrollversagen nicht in Betracht kommen. Somit ist Vertrauen ein Themenfeld für nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen, weil diese mit einer Vielzahl von z. T. auch neu mit ihnen in Kontakt tretenden Stakeholdern interagieren und dabei besonderes Gewicht auf ökologische und soziale Eigenschaften legen, die häufig Vertrauensgutcharakter tragen. Für sie erweist sich das, was ALBERT SCHWEITZER im Rahmen seiner „Nobel Lecture“ 1954 in Bezug auf die Schaffung und Sicherung von Frieden ausführte (vgl. Zitat zu Beginn dieses Kapitels), für eine zukunftsfähige Unternehmenstätigkeit als besonders relevant.

Wenn nun Vertrauen Grundlage für das menschliche Zusammenleben ist und somit auch die Basis für arbeitsteiliges Wirtschaften, insbesondere für betriebliches Nachhaltigkeitsmanagement bildet, so sind die Vertrauensvorbehalte, denen sich nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen gegenübersehen, sehr bedenklich und provozieren eine wissenschaftliche Auseinandersetzung.



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