Dissertation: Das britische Board of Longitude 1714–1828

Das britische Board of Longitude 1714–1828

Schriften zur Ideen- und Wissenschaftsgeschichte, Band 9

Hamburg 2013, 340 Seiten
ISBN 978-3-8300-6914-0 (Print), ISBN 978-3-339-06914-6 (eBook)

Rezension

[...] Inhaltlich [...] glänzt das Werk durch profunde Kenntnis der Aktenlage, hatte der Verf. doch Zugriff auf die Quellen des Boards, die sich an der Universität Cambridge befinden. [...] Die sprachlichen Ausführungen sind zudem noch durch zahlreiche Diagramme zur Zusammensetzung des Boards oder seiner Finanzen gespickt, so daß die Arbeit gleichsam als Nachschlagewerk genutzt werden kann. [...]

Heiko Schnickmann, in:
Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, 2013/13

Board of Longitude, Chronometer, Englische Geschichte, Geographie, Geschichte, John Harrison, Kartographie, Längengrad, Längengradkommission, Navigation, Royal Greenwich Observatory, Wissenschaftsgeschichte

Zum Inhalt

Der vom britischen Parlament verabschiedete Longitude Act war nicht der erste staatlich finanzierte Versuch, das Problem der Längengradbestimmung auf See zu lösen. Die Franzosen gingen z.B. bei der Ausbildung und Forschung im Bereich der Navigation zu Beginn des 18. Jahrhunderts sehr viel systematischer vor. Eine in ihrer Ausführung kanalisierte wissenschaftliche Forschung zur Lösung des Längengradproblems wäre in Frankreich demnach eher zu erwarten gewesen. Doch die Geschichte von der Lösung des Längengradproblems ist eine englische bzw. eine britische Geschichte.

Die Navigation auf See war ein unabdingbarer Faktor für die kommerzielle und politische Expansion der europäischen Staaten. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten hatte sie jedoch für Großbritannien einen weitaus höheren Stellenwert als für die Staaten Kontinentaleuropas: Der Reichtum und der Wohlstand Englands ganz allgemein hingen in hohem Maße von der Seefahrt ab. Die Studie über das britische Board of Longitude erzählt also nicht nur die Geschichte einer Institution. Sie zeigt zugleich auf, in welcher Form ökonomische Interessen das politische und wissenschaftliche Handeln eines Staates beeinflusst haben.

Die Aufgabe des Board of Longitude bestand ausschließlich in der systematischen Erzeugung praktisch anwendbaren Wissens. Das Board of Longitude war keine universale Gemeinschaft von Wissenschaftlern, sondern ein vorrangig praxisorientierter Zusammenschluss, der die entscheidende Schnittstelle zwischen Akademikern, Anwendern und dem Parlament, das Bindeglied zwischen wissenschaftlicher Theorie und Praxis bilden sollte. Das mit dem Longitude Act von 1714 ins Leben gerufene Board of Longitude unterschied sich damit signifikant von den bisher bestehenden wissenschaftlichen Institutionen. Seine Entwicklung kann dem Ablauf einer stetig zunehmenden Institutionalisierung gleichgesetzt werden. Der Institutionalisierungsprozess war dabei durch konkrete Handlungsziele gekennzeichnet und wurde durch bestimmte Ordnungsprinzipien zusammengehalten. Ziel dieses dynamischen Prozesses war die Lenkung der Wissensproduktion in klar definierte Regeln, Vorgehens- und Verfahrensweisen. Die von den Commissioners for the Discovery of the Longitude at Sea behandelten Fragestellungen und Themenbereiche wurden als relevante Aspekte der wissenschaftlichen Forschung erkannt und entsprechend gefördert. Auf diese Weise war die Produktion des Wissens eng mit dem Staat verbunden. Das vorzeitige Ende der Institutionalisierung begründet sich nicht durch den Wegfall des Handlungsziels. Ursächlich waren Veränderungen innerhalb der „wissenschaftlichen Landschaft“ Großbritanniens und das damit einhergehende Ringen um die Vorrangstellung bei der Einflussnahme auf die Verteilung der staatlichen Unterstützung für die Wissenschaft der Astronomie sowie für andere damit in Verbindung stehende wissenschaftliche Projekte.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben