Forschungsarbeit: Rom und der Kirchenstaat 1450 bis 1650

Rom und der Kirchenstaat 1450 bis 1650

Wirtschaft, Politik, Kultur und Bevölkerung

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 72

Hamburg 2013, 462 Seiten
ISBN 978-3-8300-6846-4 (Print), ISBN 978-3-339-06846-0 (eBook)

Bevölkerung, Geschichte, Infrastruktur, Katastrophen, Konklave, Kultur, Papsttum, Politik, Regionen, Rom, Wirtschaft

Zum Inhalt

Mit dem nun vorgelegten fünften Band zur Reihe “Italien 1450-1650“ findet das Projekt nach mehr als zwölfjähriger Arbeit seinen geplanten vorläufigen Abschluss. Vorläufig bedeutet, dass alle fünf Bände nochmals überarbeitet in einem Gesamtband erscheinen sollen.

Als Papst Nikolaus V. (1447-1455) 1450, zu Beginn unserer Betrachtungen, aus seinem Papstpalast auf die Jubiläumsfeierlichkeiten zum Heiligen Jahr herab sah, war das auf einige Viertel begrenzt besiedelte Rom eine von Familienclans beherrschte und unsichere Stadt. Der vom Pontifex regierte Staat war zerstückelt. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten von 1650, am Ende des hier interessierenden Zeitabschnittes, war Papst Innocenz X. (1644-55) ein ungleich mächtigerer Pontifex. Die nunmehr dichtbesiedelte Metropole Rom war trotz parallel existierender städtischer Administration sicher unter Kontrolle der päpstlichen Verwaltung und der Kirchenstaat eine absolutistisch regierte Macht zweiten Ranges in Europa.

Noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts formierten sich in Italien vier Regionalmächte, mit denen das päpstliche Rom als fünftes starkes Staatswesen aufstieg. Allerdings waren Florenz und besonders Mailand Staaten mit festen Zielen und entsprechenden Mitteln, während der Kirchenstaat sich aufzulösen schien. Das von den Päpsten beanspruchte Rom war nicht nur in der Gewalt von Bandenführern und römischen Adelsfamilien oder so genannten Baronen, sondern auch Objekt neapolitanischer Absichten. Schließlich gab die Verschwörung von Stefano Porcari gegen Papst Nikolaus V. für eine Reihe von antipäpstlichen Emanzipationsbestrebungen der sich auf antik römisch-republikanische Traditionen besinnenden Kreise den Auftakt. Das Papsttum beanspruchte Rom für sich auf der Grundlage der von Lorenzo Valla (1407-57) als Fälschung nachgewiesenen Urkunde der Konstantinischen Schenkung aus dem achten Jahrhundert. Die Behauptung, Kaiser Konstantin habe mit der Verlegung seiner Hauptstadt nach Byzanz dem Papst das Westliche Römische Kaiserreich, die Stadt Rom und die kaiserlichen Insignien überlassen, entbehrte jeder legitimen Grundlage. Der Suprematieanspruch des Papstes über Rom und weitere Territorien in Italien oder anderswo war so nicht zu rechtfertigen. Vor allem die Päpste im 16. Jahrhundert konsolidierten den Kirchenstaat, drängten den neapolitanischen Einfluss zurück und balancierten die ober- und mittelitalienischen Mächte in einem Gleichgewicht aus. Das freilich gelang wegen des übermächtigen spanischen Einflusses im 17. Jahrhundert nicht mehr. Wie folgenschwer es für das Papsttum bereits im 16. Jahrhundert war, gegen Kaiser und Spanien Partei zu nehmen, mussten Clemens VII. und Paul IV. erfahren. Es wird sich zeigen, wie durch Nepotismus der Päpste der Bestand des Kirchenstaates gefährdet wurde bis man noch im hier behandelten Zeitraum konsequent dazu überging, vergebene Kirchenlehen einzuziehen und nicht mehr neu zu vergeben. Das Jahr 1450 deutete nicht nur wegen des bevorstehenden Friedens von Lodi, veröffentlicht am 02. März 1455 in Rom, auf eine neue Zeit voraus. Die Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen unter Sultan Mehmed II. 1453 macht die von Osten längst aufgezogene Gefahr für das Christentum in Europa und das seine Führerschaft beanspruchende Papsttum ebenso offensichtlich. Spätestens mit dem Fall von Otranto 1480 in Süditalien hatte das päpstliche Rom die Türken vor der Haustür und man dachte erneut ernsthaft an eine Flucht nach Avignon nach. Die Plünderung Roms im Jahr 1527 leitet eine weitere Entwicklungsstufe in der römisch-katholischen Kirche ein. Die so unbeschwert wirkende Verehrung der griechisch-römischen Antike in der Hochrenaissance, deren Zentrum sich nicht erst mit dem Medici-Papst Leo X. längst von Florenz nach Rom verschoben hatte, machte der Gegenreformation Platz. Wenn davon gesprochen wird, dass bereits im 15. Jahrhundert das Papsttum keine selbständige Außenpolitik mehr betreiben konnte, so zeugen Einflusslosigkeit und Ergebnis des bedeutenden europäischen Friedenswerkes von Münster und Osnabrück nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges am Ende des hier interessierenden Zeitraumes von der außenpolitischen Bedeutungslosigkeit des Papstes. Wenn sich das mit fortschreitender Zeit vom 15.-17. Jahrhundert immer zahlreicher werdende Kardinalskollegium um 1450 noch als einflussreiche Stütze des Papstes fühlen durfte, so hat spätestens mit Urban VIII. die Umwandlung von einer senatorischen Form mit kooperierenden Gliedern zwischen Papst und Kardinälen hin zu einem absolutistisch regierenden Papst ihren Abschluss gefunden



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