Dissertation: ‚Reinheit‘ und ‚Ordnung‘

‚Reinheit‘ und ‚Ordnung‘

Leibliches und seelisches Dasein in den Schriften de virginitate, vita Sanctae Macrinae, de anima et resurrectione, de hominis opificio und der oratio catechetica magna des Gregor von Nyssa

THEOS – Studienreihe Theologische Forschungsergebnisse, Band 107

Hamburg 2013, 458 Seiten
ISBN 978-3-8300-6748-1 (Print), ISBN 978-3-339-06748-7 (eBook)

Auferstehung, Eucharistie, Gregor von Nyssa, Heilsplan, Jungfräulichkeit, Religionsphilosophie, Sakrament, Theologie

Zum Inhalt

Glaube an die leibliche Auferstehung, die Eucharistie mit Leib und Blut Christi als zentrales Sakrament, Stigmata und andere sinnfällige Glaubenszeichen: Das Christentum misst dem Leib eine Bedeutung bei wie sonst kaum eine Religion – Kelsos bezeichnete die Christen als ein „körperverliebtes Geschlecht“.

Doch gerade deshalb ist mit dem Leib auch ein beträchtliches Maß an Problematisierungspotenzial verbunden. Immer wieder kamen im Laufe der Geschichte leibverachtende Strömungen auf, wurde eine Askese propagiert, die ’das Fleisch abtötet’. Noch heute wird die katholische Kirche in öffentlichen Diskursen oft mit einer Abwertung von Leiblichkeit und Sexualität in Verbindung gebracht.

Gregor von Nyssa (ca. 335 bis 397) schreibt als Verheirateter über die Jungfräulichkeit, als Bischof über die leibhafte Auferstehung, die Bedeutung des Leibes im Heilsplan Gottes. In seinen Schriften setzt er sich mit den teils leibfeindlichen Philosophien und Schulmeinungen seiner Zeit auseinander; er positioniert sich auch gegen hyperasketische christliche Strömungen in einer Zeit, in der sich das christliche Mönchtum herausbildet und Konturen gewinnt. Wie dieses Buch aufzeigt, gelingt es Gregor von Nyssa, einen Leib-Seele-Dualismus zu überwinden und eine sapientia christiana, eine christliche Weisheitslehre, zu formulieren, die bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. In seinen Schriften schafft er, aufbauend auf der Christologie, eine Lehre vom Menschen und gelingenden Menschsein. Dabei kommen auch Fragen wie die nach dem richtigen Umgang mit Trieben und Bedürfnissen zur Geltung. Er zeigt einen Weg der Hinordnung des Lebens auf den Schöpfer. Dabei ist er dem Ideal einer Reinheit verpflichtet, das nichts gemein hat mit Sterilität und Leibfeindlichkeit, sondern den Christen erst seinem wahren Wesen gerecht werden lässt.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben