Dissertation: Einkommensverteilung in Deutschland

Einkommensverteilung in Deutschland

Theoretische Überlegungen, empirische Befunde, wirtschaftspolitische Implikationen

Schriftenreihe volkswirtschaftliche Forschungsergebnisse, Band 180

Hamburg 2012, 450 Seiten
ISBN 978-3-8300-6463-3 (Print & eBook)

Arbeitsmarkt, Armut, Armutsanfälligkeit, Deutschland, Einkommensungleichheit, Einkommensverteilung, Haushaltscharakteristiken, Homogamie, Makroökonomie, Mikroebene, pro-poor growth, Soziale Mobilität, Ungleichheit, Vermögensungleichheit

Zum Inhalt

Nicht erst seit dem Aufkommen der Occupy-Bewegung ist Ungleichheit ein Thema, das die Öffentlichkeit spaltet und regelmäßig zu lebhaften Debatten führt. Eine wissenschaftliche und theoretische Fundierung bleibt jedoch oftmals auf der Strecke. Die Theorie der Einkommensverteilung ist kein rein ökonomisches Thema und tangiert auch die Gebiete Soziologie, Theologie, Politologie, Psychologie und Philosophie. In dieser Studie wird die Entwicklung der Einkommensverteilung in Deutschland im internationalen Vergleich aus der wirtschaftswissenschaftlichen Sichtweise empirisch untersucht.

Dabei werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie entwickelt sich die Ungleichheit weltweit?
  • Wie entwickelt sich die Ungleichheit innerhalb von Ländern?
  • Ging der Anstieg der statischen Ungleichheit mit einer zunehmenden sozialen Mobilität einher?
  • Ist das Risiko der Mittelklasse, in Armut abzugleiten, gestiegen?
  • Was sind die Treiber der Veränderung der Ungleichheit?
  • Kann und sollte die Politik dieser Entwicklung entgegenwirken?

Hierfür werden zunächst die wesentlichen theoretischen Aspekte erörtert. Zudem werden die zahlreichen Probleme, die mit der Messung von Ungleichheit und Armut einhergehen, an praktischen Beispielen ausführlich diskutiert. Insbesondere die Vielzahl an Werturteilen, die mit den verwendeten Maßzahlen gefällt werden, stellt eine Achillesferse der Forschung dar.

Im empirischen Teil der Studie wird die Entwicklung der Ungleichheit dann systematisch weltweit und in ausgewählten Ländern herausgearbeitet. Dabei stellt sich heraus, dass die Bedeutung der Ungleichheit innerhalb der Staaten an Bedeutung gewinnt, während die Ungleichheit zwischen den Staaten abnimmt. Der Anstieg der Ungleichheit in Deutschland geht dabei mit einer zunehmenden Rigidität der Einkommensverteilung einher: Den Armen gelingt es immer schlechter, zu den Reichen aufzuholen. Die soziale Mobilität nimmt ab. Als Kehrseite der Medaille lässt sich festhalten, dass die zunehmende Angst der Mittelklasse vor dem Abgleiten in Armut unbegründet ist.

Begibt man sich weiter auf Spurensuche, so ergeben sich einige interessante Erkenntnisse: Makroökonomische Rahmenbedingungen sind nicht der wesentliche Treiber der Ungleichheit in Deutschland. Es existiert ein unerklärter Trend. Vielmehr können die Charakteristiken der Haushalte den Anstieg der Ungleichheit erklären. So hat etwa die sinkende Haushaltsgröße in Deutschland einen bedeutenden Anteil an der Zunahme der Ungleichheit. Auch die unterschiedliche Affinität der Haushalte zum Arbeitsmarkt hat einen deutlichen Einfluss. Dem Steuer- und Transfersystem kommt eine ambivalente Rolle zu: Es hat insbesondere in Deutschland eine progressive Wirkung, dieser Effekt wird aber mit einem deutlichen Eingriff in die Rangordnung in der Einkommensverteilung erkauft.

Wirtschaftspolitisch gilt es, an den Ursachen anzusetzen: Ein flexibler Arbeitsmarkt kann als kurzfristige Lösung dienen. Langfristig ist die frühkindliche Bildung ein probates Mittel zur Reduktion der Ungleichheit. Letztere ist eine der wenigen politischen Maßnahmen, die sowohl auf Effizienz als auch auf Gerechtigkeit positiv wirkt.



Informationen über das Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten.

nach oben