Doktorarbeit: Berufspädagogische Rationalisierung unter dem Primat des Politischen?

Berufspädagogische Rationalisierung unter dem Primat des Politischen?

Zur Vollendung des Dualen Systems der Berufsausbildung im „Dritten Reich“

Studien zur Berufspädagogik, Band 44

Hamburg 2012, 350 Seiten
ISBN 978-3-8300-6453-4 (Print), ISBN 978-3-339-06453-0 (eBook)

Rezension

[...] Elgg bietet nicht nur einen ausgezeichneten Überblick über die Entwicklung der modernen Berufsausbildung in Deutschland; er stellt sie auch in Beziehung zu den wichtigsten berufspädagogischen und betriebswirtschaftlichen Theorien zu diesem Thema. Die Erklärungsansätze, die er daraus entwickelt, sind durchaus überzeugend.

Ulrich Eisenbach, in:
Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, VSWG Heft 1, 2014

Ausbildungsordnung, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Berufsberatung, Berufserziehung, Berufskonzept, Bildungsökonomie, Deutsche Geschichte, Korporatismus, Lehrlingsstatistik, Lehrstellenvermittlung, Modernisierung, Nationalsozialismus, Rationalisierung, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Wirtschaftskammern

Zum Inhalt

Wenn der Frage nachgegangen wird, ob die heutige Ausgestaltung des beruflichen Ausbildungswesen noch zeitgemäß ist, erscheint es sinnvoll, in einer historischen Wendung die bei seiner Konstituierung vorliegende Interessenslage zu untersuchen, um auf diese Weise etwaige Parallelitäten zwischen der damaligen und der heutigen Situation offen zu legen. In der Berufs- und Wirtschaftspädagogik herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass zentrale Merkmale der als Duales System bekannten Ausbildungsordnung während des „Dritten Reichs“ festgelegt wurden. Weitergehende Untersuchungen kommen sogar zu dem Befund, dass die Berufserziehung von den Nationalsozialisten vollendet, konkret: „perfektioniert“ worden sei.

Die Untersuchung setzt an diesem Befund an. Modernisierungstheoretische sowie bildungsökonomische Aspekte berücksichtigend, untersucht sie die historische Entwicklung der Berufserziehung von der Einführung der Gewerbefreiheit zu Beginn des 19. Jh. bis in das „Dritte Reich“. Der Fokus liegt auf den ordnungsrechtlichen Veränderungen der Berufserziehung und den darin zum Ausdruck kommenden Interessen der daran beteiligten Akteure. Dabei wird dargestellt, mit welchen Strategien die verschiedenen Interessenvertreter während des Untersuchungszeitraums versucht haben, die Berufserziehung und ihre Rahmenbedingungen in ihrem Sinne zu rationalisieren. Auf diese Weise wird untersucht, ob im Nationalsozialismus grundlegend neue Anforderungen an die Berufserziehung gerichtet wurden bzw. inwieweit in den ordnungsrechtlichen Veränderungen das Ergebnis einer lange Zeit andauernden Entwicklung zu erkennen ist. Dabei stößt die Untersuchung auch auf die Frage, ob das von den Nationalsozialisten eingeforderte „Primat der Politik“ sich in der Berufserziehung gegenüber anderen Interessen durchzusetzen vermochte.

Einer der (berufs-)pädagogischen Vorzüge dieser Untersuchung liegt darin, dass sie die wesentliche Interessengruppe des Ausbildungswesen nicht aus dem Blick verliert: die Lehrlinge. Die ordnungsrechtlichen Veränderungen der Berufserziehung dürfte sich auch auf die Interessenslage der einzelnen Jugendlichen und schließlich auf die statistischen Entwicklungen des Lehrwesens ausgewirkt haben. Der Ansatz, die Tendenz dieser Entwicklungen durch selbst berechnete statistische Zahlen aufzuzeigen, dürfte auch aus wirtschafts- und sozialhistorischer Perspektive von Interesse sein.



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