Forschungsarbeit: Landreform in Estland 1919

Landreform in Estland 1919

Die Reaktion von Esten und Deutschbalten

Tartuer historische Studien, Band 2

Hamburg 2012, 114 Seiten
ISBN 978-3-8300-6274-5 (Print & eBook)

Rezension

[...] [Die Studie] stellt einen weiteren Schritt in Richtung auf ein differenzierteres Verständnis einer der wichtigsten Reformen der Republik Estland in der Zwischenkriegszeit dar. Bis heute wird in der estnischen Historiografie, gerade auch in Gesamtdarstellungen, die Position verbreitet, die Agrarreform von 1919 sei eine der innovativsten und erfolgreichsten Reformen ihrer Zeit gewesen. Die Arbeit von Marju und Olaf Mertelsmann zeigt jedoch, dass nicht nur die Gruppe der enteigneten Gutsbesitzer, sondern auch ein bemerkenswerter Teil der Esten der Reform gegenüber sehr kritisch eingestellt waren. [...]

Heidi Lepplaan, in:
Forschungen zur Baltischen Geschichte, 8/2013

Deutschbalten, Estland, Geschichtswissenschaft, Landreform, Landwirtschaft, Nationale Minderheiten, Presse

Zum Inhalt

Über Jahrhunderte hatten die Gutshöfe deutschbaltischer Großgrund?besitzer die Landschaft des Baltikums geprägt und zu einer erheblichen sozialen Ungleichheit der Gesellschaft geführt. Als sich nach dem Ersten Weltkrieg die Republik Estland als unabhängiger Staat etablierte und von 1918 bis 1920 einen Freiheitskrieg gegen Sowjetrussland führte, stand eine lang erwartete Landreform an, die 1919 durchgeführt wurde. Diese war die radikalste sämtlicher derartiger Reformen in Ost- und Mitteleuropa mit Ausnahme der Sowjetunion. Diese Landreform stellte eine der wichtigsten politischen Maßnahmen der jungen Republik dar und sie wurde von den Zeitgenossen erhitzt debattiert. Ziel der Reform war eine Zerstörung des Großgrundbesitzes, ein Brechen der deutschbaltischen Vorherrschaft auf dem Lande und die Etablierung einer breiten Schicht von staatstreuen Landwirten. Soziale, wirtschaftliche und nationale Ziele überlagerten sich somit. Die Reform war weiterhin ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Deutschbalten von einer dominierenden Schicht hin zu einer nationalen Minderheit.

Die Monographie untersucht anhand der damaligen estländischen Presse, wie die Reaktion von Esten und Deutschbalten auf diese Landreform aussah. Diese war keinesfalls innerhalb beider Gruppen einheitlich und Stimmen der Kritik erhoben sich von mehreren Seiten. Die Autoren argumentieren, dass eine weniger radikale Landreform möglicherweise die deutschbaltische Minderheit besser in das junge Staatswesen integriert sowie zu geringeren ökonomischen Verlusten geführt hätte.



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