Magisterarbeit: Thomas Manns Der Zauberberg und James Joyces Ulysses

Thomas Manns Der Zauberberg und James Joyces Ulysses

FLANIEREN (IM) ERZÄHLEN. Zwei Romane auf dem Weg in die Moderne

POETICA – Schriften zur Literaturwissenschaft, Band 118

Hamburg 2011, 192 Seiten
ISBN 978-3-8300-6057-4 (Print & eBook)

Anglistik, Der Zauberberg, Entwicklungsroman, Erzählen, Erzählforschung, Germanistik, James Joyce, Literaturwissenschaft, Moderne, Mythos, Thomas Mann, Überlieferung, Ulysses, Zeit

Zum Inhalt

Der Zauberberg von Thomas Mann und James Joyces Ulysses: Lässt sich noch Gegensätzlicheres denken? Und doch sind die Werke verschwistert, als große Romane des 20. Jahrhunderts, an dessen Anfang sie stehen. Epochale Werke, fast zeitgleich entstanden – neben anderen, ähnlich bedeutsamen Meilensteinen der Moderne. Dennoch haben sie beide eine Art monolithischen Status, der ihren künstlerischen Rang widerspiegeln mag, sie aber auch aus ihren Kontexten herauszureißen droht. Getragen von der Überzeugung, dass wegweisende Werke einer Epoche Antworten auf die gleichen Fragen zu formulieren suchen, werden diese beiden Kolosse hier miteinander in Verbindung gebracht, um sie auf diesem ungewöhnlichen Weg auch erneut und anders in ihre Zeit und ihren Kontext zurückzuholen. Denn das ist, u.a., eine Wirkung von Vergleichen. Der Zauberberg – „nur“ ästhetizistischer Abgesang einer sterbenden Epoche? Der Ulysses – „nur“ avantgardistisches Sprachmeisterwerk unvergleichbarer Waghalsigkeit? Vergleiche beleuchten neu, heben Verschattetes heraus und rücken Verabsolutiertes zurecht. Auch wenn in der Untersuchung dieser magna opera hier nur ein Mosaiksteinchen gegeben werden kann: deutlich wird, wie die Fragen und Notwendigkeiten der Epoche über beiden Werken stehen und sie (je unterschiedlich, doch gleich zwingend) prägen.

Auffälligerweise wird hier wie dort die Negativität selbst (Verdrängung, Entzug, Verweigerung u.v.m.) zum Signum des Handelns – mit gravierenden Auswirkungen auf Handlung, Bewusstsein und Zeit(-strukturen). Hier lassen sich Verbindungslinien ziehen zu einer der prägnanten Erscheinungen der beginnenden Moderne: der des Flaneurs. Was für erzählerische Strategien werden entwickelt, um der Bedrohung durch den Wegfall herkömmlicher Antriebskräfte zu begegnen, und welches nicht leicht auszulotende Verhältnis zur Tradition kristallisiert sich hierin heraus? Es lässt sich zeigen, dass das Erzählen selbst zu „flanieren“ beginnt. Auch wenn es nicht um plakative Beantwortung der Frage: „Wie modern sind die Romane“ gehen kann, wird aufgezeigt, wie in einer epochalen Umbruchsituation Wege erprobt werden, mit einer Krise des (herkömmlichen) Erzählens umzugehen und bei höchst komplexem, ambivalentem Verhältnis zur Tradition narrative Strategien zu entwickeln, die auf die Herausforderungen der Moderne reagieren und selbst Symptome der Epoche sind. So werden durch den ungewöhnlichen Zusammenschluss zunächst die Werke selbst neu konturiert – und damit auch die Zeit, die sie hervorbrachte. Es tritt eine tiefenstrukturelle Verwandtschaft zutage, die frappierend ist. Und es lässt sich aus den beiden künstlerischen Antworten eine Ahnung gewinnen davon, was die Frage war – die Frage der Moderne.



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