Dissertation: Vom Ostblockstaat zum Partner des Westens?

Vom Ostblockstaat zum Partner des Westens?

Der Wandel im postkommunistischen Rumänien vor dem Hintergrund des EU-Beitrittsprozesses und seine Wahrnehmung in der deutschen Qualitätspresse

Demokratie und Demokratisierungsprozesse, Band 9

Hamburg 2012, 434 Seiten
ISBN 978-3-8300-6054-3

Beitrittsprozess, Demokratisierung, EU-Osterweiterung, Europäsche Union, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nationenbilder, Osteuropa, Politikwissenschaft, Qualitative Inhaltsanalyse, Rumänien, Süddeutsche Zeitung, Transformation

Zum Inhalt

Der Fall der Berliner Mauer leitete den Annäherungsprozess ein, die Aufnahme mittel- und osteuropäischer Staaten in die Europäische Union besiegelte ihn offiziell: Westeuropa und der Ostblock, die ehemaligen Gegner aus dem Kalten Krieg, wurden zu Freunden und Partnern im Rahmen desselben supranationalen Gebildes. Bleibt der Wandel nur ein offizieller Akt oder wird er als solcher auch innergesellschaftlich und transnational wahrgenommen? Diese Frage gewinnt vor allem vor dem Hintergrund von politischen und gesellschaftlichen Umbruchprozessen an Brisanz – sei es im postkommunistischen Europa oder ganz aktuell im Zuge der revolutionären Bewegungen in den arabischen Staaten.

Das kommunistische Regime in Rumänien war eine der strengsten Diktaturen Osteuropas. Neben den samtenen Revolutionen bildete die rumänische Umsturzbewegung von 1989 durch ihren gewaltsamen Verlauf eine Ausnahme. Nach der Flucht des Diktatorenpaares nutzten alte Regimeeliten das Machtvakuum und lenkten den Systemwechsel. Aufgrund dieser schwierigen Ausgangslage gestaltete sich der Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft problematisch. 2007 wurde Rumänien dann Mitglied der Europäischen Union. Für die Rumänen ging damit ein Traum in Erfüllung, denn ihr Land wurde offiziell als Partner der westlichen Gemeinschaft anerkannt. Während sich Rumänien dem Westen längst zugehörig fühlte, sah Westeuropa in Rumänien – wie auch in anderen osteuropäischen Staaten – einen rückständigen Verwandten an der Peripherie der zivilisierten Welt. Vor diesem problematischen Hintergrund scheint die Frage nach der innergesellschaftlichen und transnationalen Anerkennung von politischen Veränderungen am Beispiel Rumäniens umso brisanter. Inwieweit spielt der EU-Beitrittsprozess die Rolle eines Katalysators für einen grundlegenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel in Rumänien? Findet dieser Wandel seinen Ausdruck in den Denk- und Verhaltensmustern der Bevölkerung? Und wird die neue offizielle Rolle des südosteuropäischen Staates auch in der Qualitätspresse des größten EU-Mitgliedsstaats, Deutschland, wahrgenommen?

Konstruktivistische Analyseansätze bilden den theoretischen Rahmen dieser Studie. Nach der Untersuchung der vorautokratischen Erfahrungen und des autokratischen Regimes erfolgt im ersten Teil der Studie eine Analyse des rumänischen Transformationsprozesses. Dabei stehen nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Reformen im Vordergrund, sondern auch die Entwicklung der gesellschaftlichen Denk- und Verhaltensmuster. Im zweiten Teil wird anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse das Rumänienbild der beiden größten deutschen Qualitätszeitungen untersucht. Im Fokus stehen die Fragen nach der Verwendung von Stereotypen und ihrer Differenzierung mit Annäherung des Beitrittszeitpunktes. Die Ergebnisse der Studie geben Aufschluss über die Rolle des EU-Beitrittsprozesses in der Annäherung zwischen Ost und West.

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