Dissertation: Auswirkungen des Übergangs auf IFRS auf die Bewertungsrelevanz von Konzernabschlüssen

Auswirkungen des Übergangs auf IFRS auf die Bewertungsrelevanz von Konzernabschlüssen

Eine empirische Analyse aus Sicht der Eigenkapitalgeber unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Kapitalmarkts

Internationale Rechnungslegung, Band 23

Hamburg , 370 Seiten

ISBN 978-3-8300-5439-9 (Print)
ISBN 978-3-339-05439-5 (eBook)

Rezension

Das Inkrafttreten der IAS-Verordnung stellt eine deutliche Zäsur für die Rechnungslegung von kapitalmarktorientierten Unternehmen in Europa dar. Der Autor widmet sich theoretisch und empirisch den Auswirkungen der Rechnungslegungsumstellung auf die International Financial Reporting Standards (IFRS) - sowohl aus deutscher als auch aus europäischer Perspektive. Dabei geht Simon Frank der in Praxis und Theorie wichtigen Fragestellung nach Bedeutung und Relevanz von Jahresabschlussgrößen für Eigenkapitalgeber nach und untersucht insbesondere die Veränderungen hinsichtlich der kapitalmarktorientierten Bewertungsrelevanz, die sich im Zuge des Übergangs auf IFRS mit empirischen Methoden feststellen lassen.
Internationale und kapitalmarktorientierte Rechnungslegung, KoR IFRS 01.12.2011, Heft 12


Zum Inhalt

Die Konzernrechnungslegung in Europa war in den vergangenen Jahren einem tiefgreifenden Wandel ausgesetzt. Insbesondere aus deutscher Perspektive wird die zurückliegende Entwicklung mit Schlagwörtern wie „Umbruch“, „Paradigmenwechsel“ oder sogar „kopernikanische Wende“ charakterisiert. Die Beschreibung ist Ausdruck für den Übergang von einer am Vorsichts- und Gläubigerschutzprinzip orientierten Rechnungslegung zu einer an den Informationsbedürfnissen von Investoren – so zumindest die Einschätzung der Befürworter – ausgerichteten Unternehmensberichterstattung.

Im Zuge einer stetig zunehmenden Bedeutung der Unternehmensfinanzierung über öffentliche Kapitalmärkte und einer einhergehenden Internationalisierung der Kapitalströme infolge von grenzüberschreitenden Unternehmenstransaktionen stand die Rechnungslegung vor zwei wesentlichen Herausforderungen.

Zum einen rückte im globalen Wettbewerb um Kapital die Zielsetzung in den Vordergrund, Investoren geeignete Informationen für zu treffende Anlageentscheidungen bereitzustellen. Zum anderen führte die Internationalisierung des Wirtschaftsgeschehens zur Notwendigkeit der Angleichung der grenzüberschreitenden Unternehmensberichterstattung.

Die veränderten Rahmenbedingungen aufgreifend nahmen sich bereits Anfang der 1970er Jahre internationale Institutionen der Harmonisierung der Rechnungslegung an. In dieser Zeit wurde einerseits das IASC gegründet, andererseits arbeitete die Europäische Gemeinschaft an Richtlinien zur Harmonisierung der Rechnungslegung in Europa. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Harmonisierung der Rechnungslegung in Europa mit dem Inkrafttreten der IAS-Verordnung. Diese verpflichtet sämtliche kapitalmarktorientierten europäischen Unternehmen im Regelfall ab dem Geschäftsjahr 2005 zur Konzernbilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS). Deren explizite Zielsetzung ist es, Investoren mit entscheidungsnützlichen Informationen zu versorgen. Aktuelle und potentielle Investoren wollen vor allem informiert werden über den Umfang, die Zusammensetzung und Unsicherheit zukünftiger Ausschüttungen sowie über die künftige Wertentwicklung ihrer Unternehmensanteile. Dieses Bestreben soll nach Ansicht des Standardsetters vornehmlich durch den Übergang von einer auf Anschaffungswerten basierenden zu einer auf Zeitwerten („fair values“) basierenden Bilanzierung erreicht werden.

Begleitet wurde die zunehmende Verbreitung der IFRS bis hin zu deren verpflichtenden Anwendung von einer sowohl in der Theorie als auch in der Praxis kontrovers geführten Diskussion. Im Zentrum dieser stand und steht nach wie vor die Frage, ob die IFRS tatsächlich zu einer Informationsverbesserung aus Sicht der Investoren beitragen können.

Die Rechnungslegung nach den IFRS stellt für kapitalmarktorientierte Konzernunternehmen in Europa nunmehr ein Faktum dar. Darüber hinaus ist eine Ausweitung des Anwendungsbereichs der IFRS zu erwarten. Bereits heute gewährt § 315a Abs. 3 HGB nicht kapitalmarktorientierten Gesellschaften ein Wahlrecht, ihren Konzernabschluss nach den internationalen Grundsätzen zu erstellen.

Desweiteren eröffnet § 325 Abs. 2a HGB großen Kapitalgesellschaften die Option, ihrer Bundesanzeigerpublizität mit einem IFRS-Einzelabschluss nachzukommen. Mit der Veröffentlichung eines Standardentwurfs zur Rechnungslegung für kleine und mittelständische Unternehmen (ED-SME) rückt die vom IASB intendierte IFRS-Bilanzierung für mittelständische Unternehmen näher. Schließlich werden die IFRS als Ausgangspunkt einer steuerlichen Gewinnermittlung innerhalb der EU diskutiert.

Nach Einschätzung des Arbeitskreises Externe Unternehmensrechnung der Schmalenbachgesellschaft werden sich die Rechnungslegungsstandards des IASB nicht nur zum globalen Standard der Konzernrechnungslegung entwickeln, sondern auch für den Einzelabschluss im Rahmen einer Fokussierung auf dessen Informationsfunktion grundsätzliche Geltung entfalten.

Aus wissenschaftlicher Sicht lassen sich in diesem Kontext zwei zentrale Fragestellungen formulieren:

  • Welche Auswirkungen ergeben sich aus der Umstellung der Konzernrechnungslegung auf die IFRS für die Informationsbereitstellung an Investoren durch die externe Rechnungslegung?
  • Welche Ursachen sind für eine gegebenenfalls feststellbare Veränderung in der Informationsbereitstellung verantwortlich?

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