Forschungsarbeit: Priapus im christlichen Abendland

Priapus im christlichen Abendland

Vom schwierigen „Weiterleben“ eines antiken Gottes in Literatur und bildender Kunst bis ins 19. Jahrhundert

Schriftenreihe altsprachliche Forschungsergebnisse, Band 8

Hamburg 2010, 334 Seiten
ISBN 978-3-8300-5104-6 (Print), ISBN 978-3-339-05104-2 (eBook)

Antike, Antike Mythologie, Christentum, Gartengott, Heidnische Götter, Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte, Lotis, Philologie, Priapus, Priapusopfer, Sprachwissenschaft, Vesta

Zum Inhalt

Der in zahlreichen antiken Texten gefeierte Gartengott Priapus war wegen seiner ithyphallischen Gestalt frommen Christen seit jeher ein Gräuel. So wetterten die Kirchenväter Augustin und Hieronymus gegen ihn und verurteilten die mit ihm verbundenen kultischen Gebräuche aufs Heftigste. Sein „Weiterleben“ war deshalb in höchster Gefahr. Aber es kam ganz anders. Auf verschiedenen Pfaden gelangte er von der Spätantike durchs Mittelalter. In einer Zeit, als die wichtigsten Gestalten aus Ovids „Metamorphosen“ der Moralisierung oder gar christlichen Allegorese unterzogen wurden, wollte das bei Priapus aus naheliegenden Gründen nicht gelingen. Seit der frühen Neuzeit feierte man den Gott zuerst in Italien und England, später auch in Frankreich und den Niederlanden. Nur in Deutschland konnte man sich nicht so recht mit ihm anfreunden. Da von hier der Kirchenkampf ausging, verwendete man den Gott lieber, um in seinem Namen auf den Gegner einzuschlagen. So mussten sich der Papst und beinahe auch der Christengott als Priapus bezeichnen lassen.

Der Autor stellt heraus, wie schwer sich die Kirche in ihrem Kampf gegen den obszönsten aller Heidengötter tat. Ihre Repressionen reichten vom Druckverbot über Eingriffe in bildliche Darstellungen und reale Karrieren bis zur physischen Verfolgung von Dichter und Künstlern. Doch seltsam! Die Anziehungskraft des Gottes litt nicht darunter.

In genauen Text- und Bildanalysen spürt der Autor den verschiedenen Erscheinungs- bzw. Darstellungsweisen des Gottes nach. Mit welchen Mitteln vermieden es die Künstler, die Grenzen zwischen Dekorum und Obszönität zu überschreiten? Kann der faszinierende Körperteil des Gottes umschrieben, verhüllt oder entfernt werden, ohne die Identität des Gottes zu beschädigen? Wie deutlich dürfen Kommentatoren den antiken Gott erklären, ohne selbst „priapischer Gesinnung“ bezichtigt zu werden?
Die Ergebnisse überraschen: Von der Forschung bislang unentdeckt, ist Priapus in Bildern von Veronese, Tintoretto, Rubens und van Dyck zu finden. Ja, der heidnische Gott schleicht sich in ein zentrales biblisches Thema ein. Gefeiert als Gott der Manneskraft versuchten Dichter aber auch, an seiner Person philosophische Probleme zu lösen, und verstanden ihn gar als zentrale Figur in verschiedenen geschichtsphilosophischen Denkmodellen. So wurde im Überlebenskampf gegen die heidnischen Götter ausgerechnet die von den Christen bekämpfte Vogelscheuche als St. Priapus der Retter aus höchster Not.
Doch Undank ist des Gottes Lohn! Eingesperrt in ein Kloster muss er seine Tage verbringen, und der Autor folgt seinen Spuren in der vagen Hoffnung, dass sich ein Ausweg zeigt.



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