Dissertation: Der Bindungsstil als Determinante individueller Integrationsdefizite

Der Bindungsstil als Determinante individueller Integrationsdefizite

Eine empirische Studie mit Individualdaten aus der erwachsenen deutschen Wohnbevölkerung

SOCIALIA – Studienreihe soziologische Forschungsergebnisse, Band 108

Hamburg , 504 Seiten

ISBN 978-3-8300-5069-8 (Print)
ISBN 978-3-339-05069-4 (eBook)

Zum Inhalt

Nach der Bindungstheorie (Bowlby 1969, 1973, 1980) ist die Qualität der Beziehungen in den ersten Lebensjahren von essenzieller Bedeutung für die menschliche Persönlichkeitsentwicklung. Frühkindliche Erfahrungen mit den Bindungspersonen prägen das spätere Selbst- und Fremdbild sowie den eigenen Bindungsstil, der die Gestalt unserer späteren persönlichen Beziehungen bestimmt. In vielen Untersuchungen wurden statistisch bedeutsame Einflüsse des Bindungsstils (sicher, ängstlich-ambivalent, vermeidend, ängstlich-vermeidend) u. a. auf die Dauer von Paarbeziehungen, die Partnerschaftszufriedenheit und das Ausmaß wahrgenommener sozialer Unterstützung vorgefunden. Über die Auswirkungen des Bindungsstils auf andere Bereiche der sozialen Integration, jenseits persönlicher Beziehungen, liegen jedoch nur wenig gesicherte Erkenntnisse vor. Fraglich ist beispielsweise, inwieweit interindividuelle Unterschiede auch in den Bereichen Bildung (Bildungsniveau, subjektiver Bildungserfolg), Erwerbsarbeit (Arbeitslosigkeit, Berufstätigkeitsdauer, immaterielle Gratifikation) oder materielle Situation (Erwerbs- und Haushaltseinkommen, relative Deprivation) durch den Bindungsstil erklärt werden können.

Die skizzierten Forschungsfragen werden in der Untersuchung theoretisch ausgearbeitet, zu konkreten Hypothesen verdichtet und diese dann anhand von Befragungsdaten bei einer Stichprobe erwachsener Personen aus der deutschen Wohnbevölkerung (N = 1779) empirisch geprüft. Im Zentrum des hierfür entworfenen Untersuchungsansatzes steht der Bindungsstil (als relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal), der über neun mögliche Erklärungsmechanismen die individuelle soziale Integration beeinflusst. Soziale Integration gliedert sich in Anlehnung an das Konzept sozialer Desintegration nach Anhut und Heitmeyer (2000) in eine sozioemotionale Dimension (Partnerschaft, Familie, Freunde/Bekannte, soziale Unterstützung, emotionale Einbindung) und eine individuell-funktionale Dimension (Bildung, Berufstätigkeit, Arbeitslosigkeit, immaterielle berufliche Gratifikation, prekäre Erwerbssituation, materielle Situation, relative Deprivation). Beide Dimension beinhalten physisch-objektive, kognitive sowie emotionale (Des-)Integrationserscheinungen.

Die Ergebnisse von knapp 100 durchgeführten Analysen zeigen, dass ein sicherer Bindungsstil nicht nur im sozioemotionalen, sondern auch im individuell-funktionalen Bereich mit einer vergleichsweise günstigeren sozialen Integration einhergeht. Insbesondere kognitive und emotionale Integrationsaspekte hängen vom Bindungsstil ab. Im Dienste der Reflexion des wissenschaftlichen Forschungsprozesses erfolgt zudem eine ausführliche Kritik der Untersuchung, insbesondere der Reichweite der verwendeten Messinstrumente. Auf Basis der hieraus resultierenden Erkenntnisse werden Empfehlungen für weitere Forschung in der Schnittstelle von Bindung und sozialer Integration formuliert.

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