Forschungsarbeit: Slowakische Wirtschaft – Wunder dank Reformen?

Slowakische Wirtschaft – Wunder dank Reformen?

Erfolge und Misserfolge des Transformationsprozesses

Wirtschaftspolitik in Forschung und Praxis, Band 50

Hamburg 2010, 222 Seiten
ISBN 978-3-8300-4496-3 (Print & eBook)

Automobile, Europäische Union, Finanzkrise, Marktwirtschaft, Osteuropa, Privatisierung, Reform, Slowakei, Strukturwandel, Transformation, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftspolitik, Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswunder

Zum Inhalt

Die slowakische Wirtschaft geriet nach der Trennung von der Tschechischen Republik zunächst in die Position des politisch wie vor allem wirtschaftlich „schwächeren Bruders“ mit einer deutlich schlechteren Ausstattung an Produktionsfaktoren. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten zeigte das Land gute Fortschritte im Transformationsprozess. Seit der Gründung der Slowakischen Republik im Jahre 1993 bis heute wurde das Land von sechs Regierungen mit unterschiedlichen Zielen und Prioritäten regiert. Erst seit dem Antritt der Koalitionsregierung im Jahre 1998 unter Ministerpräsident Mikuláš Dzurinda kann man die Slowakei als Reformstaat bezeichnen. Das von der Koalition ergriffene Maßnahmepacket umfasste neben radikalen Umstrukturierung der Sozialpolitik tiefgreifende Reformen der Alterssicherungssysteme, des Arbeitsmarktes, der öffentlichen Finanzen sowie die einer universellen Flat Tax in Höhe von 19 Prozent. Diese Reformen, insbesondere die Steuerreform sowie der Abbau bürokratischer Hemmnisse bei Unternehmensgründungen erwiesen sich als ein sehr positives Signal für ausländische Investoren. Die Reformen veranlassten die Weltbank dazu, der Slowakei im Jahr 2005 das Prädikat „Reform orientierteste Wirtschaft der Welt“ zu verleihen.

Infolge der Reformen sowie der multiplikativen Effekten der seitdem stark angestiegenen ausländischen Direktinvestitionen wuchs die Wirtschaft der Slowakei in den Folgejahren beachtlich; das Wirtschaftswachstum erreichte 2006 und 2007 mit etwa 10 Prozent sogar „chinesische Dimensionen“. Auch außenpolitische Erfolge stellten sich ein, vor allem der Beitritt zur EU im Mai 2004, und nur fünf Jahre später führte die Slowakei als erstes Land der V4 den Euro ein.

In den letzten Jahren wuchs die Slowakei zu einer veritablen „Automobilweltmacht“ heran, nachdem so bedeutende Hersteller wie Volkswagen, PSA Peugeot Citroën und Kia Motors dort Produktionsstätten errichteten. Die Financial Times motivierte diese Entwicklung dazu, die Slowakei Anfang 2007 als das „Detroit des Ostens“ zu bezeichnen. Trotz der Tatsache, dass die slowakischen Industriebereiche bislang noch weitgehend von den Auswirkungen der Finanzkrise verschont blieben, ist gleichwohl zu erwarten, dass die schwere Wirtschaftskrise in den Nachbarländern bald auch auf die Slowakei übergreifen wird. Es wird sich also bald erweisen, ob es der Slowakei in der Tat gelungen ist, durch die Reformen auf einen nachhaltigen Wachstumspfad einzuschwenken.

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