Dissertation: Die Arbeiter- und Bauern-Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1949–1963

Die Arbeiter- und Bauern-Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1949–1963

Eine Geschichte der ABF aus Sicht ihrer Dozenten und Studenten

Studien zur Zeitgeschichte, Band 71

Hamburg 2009, 632 Seiten
ISBN 978-3-8300-4059-0 (Print & eBook)

Rezension

[…] stellt die Arbeit von Woywodt einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der ABF der DDR dar. Die Darstellung der mündlichen Quellen ermöglicht einen differenzierten Einblick in die Erlebnis- und Wahrnehmungswelten der Dozenten und Studierenden der ABV Jena und stellt von daher auch eine wichtige historische Quelle dar. Durch die Darstellung konkreter Biografien wird es auch möglich, die Vielschichtigkeit dieser bis heute kontrovers diskutierten Bildungsinstitution nachzuvollziehen und die statistischen Untersuchungen stellen eine wichtige quellenkritische Untersuchung für eine Bewertung des Arbeiter- und Bauernstudiums in der DDR insgesamt dar. […] liefert die Arbeit ein reichhaltiges empirisches Material, das Basis für weiterführende vergleichende Untersuchungen sein kann.

Ingrid Miethe, in:
Zeitschrift für Thüringische Geschichte, 64 (2010)

ABF, Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, Arbeiterbildung, DDR, Geschichtswissenschaft, Hochschule DDR, Jena, Universitätsgeschichte, Zeitgeschichte

Zum Inhalt

Die Arbeiter- und Bauern-Fakultäten (ABF) der frühen DDR wurden bisher in der Literatur und Forschung als ein sehr umstrittenes Modell der DDR-Bildungsgeschichte diskutiert. Zum einen werden sie als große Alternative zur bürgerlichen Exklusivität der Hochschulbildung gerühmt, die erstmals Arbeiterkindern den Erwerb der Hochschulreife ermöglicht habe. Zum anderen werden sie als parteipolitische Kaderschmieden abgehandelt, die von der SED zur Stärkung ihrer politischen Macht innerhalb der Universitäten und Hochschulen installiert wurden. Jana Woywodt zeigt mit ihrer an der Friedrich-Schiller-Universität Jena verfassten Dissertation, dass derartige einseitige Zuschreibungen den ABF, ihrem Anliegen und ihrem Personal nicht gerecht werden. Am lokalen Beispiel der ABF Jena untersucht sie die historischen, gesellschaftlichen und daraus resultierenden institutionellen Bedingungen dieser Einrichtung. Erstmals wird ausführlich das soziale, fachliche und politische Profil der Jenaer ABF-Dozenten und Studenten dargestellt und dabei auch deren subjektive Vorerfahrungen und individuelles Erleben dieser Institution in den Mittelpunkt gerückt.

Die Autorin hat für die Geschichte der ABF Jena alles verfügbare Material gesichtet und stützt sich in ihrer umfassenden Darstellung außerdem auf die Erinnerungen von Zeitzeugen. Entstanden ist ein sozial- und erfahrungsgeschichtlich gesättigter Beitrag zu einer mythologischen Bildungsdebatte, in dem der Gegenstand konsequent historisiert und anschaulich geschildert wird.



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