Forschungsarbeit: Durch Asien im Horizont des Goethekreises

Durch Asien im Horizont des Goethekreises

Neue Facetten im Wirken Goethes

Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 71

Hamburg 2008, 726 Seiten
ISBN 978-3-8300-3656-2 (Print & eBook)

Rezension

Neuland erschließt die Autorin [...] im Hinblick auf Goethes Kontakte nach Südostasien. Zwar ist — z.B. in der Münchner Goethe-Ausgabe — bereits dokumentiert, dass Goethe 1826 Mitglied der Bataviaschen Gesellschaft für Künste und Wissenschaften wurde, doch die Autorin weiß kundig die kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge darzustellen, die sich mit Goethes Ehrung verbinden und in einer Korrespondenz ihren Niederschlag finden, die 1815 einsetzt, Buchsendungen aus Jakarta einbegreift und bis an Goethes Lebensende reicht. [...] Es ist beeindruckend zu sehen, wie die wissenschaftliche Kommunikation sich damals schon über die Kontinente hinweg vollzog.

Jochen Golz, in:
Goethe-Jahrbuch, Jg. 127 (2010)

(Groß)Herzog Karl August, Adelbert von Chamisso, Alexander von Humboldt, Bataviasche Gesellschaft für Künste und Wissenschaften, Ernst Haeckel, Friedrich Schiller, Georg Forster, Georg Lenz, Heinrich Seemann, Johann Friedrich Blumenbach, Johann Wolfgang von Goethe, Kulturgeschichte Asiens, Kulturwissenschaft, Philipp Franz von Siebold, Wilhelm von Humboldt

Zum Inhalt

Seit 1976 wirkt Renate Carstens in Lehre und Forschung im Studiengang Indonesistik (Indonesienkunde) an der Jenaer Universität. Dieses Buch ist aus der Beschäftigung der Autorin mit der Kulturgeschichte Indonesiens entstanden. Es behandelt eine fast völlig unbekannt gebliebene Seite in Goethes Leben: sein erstaunlich vielseitiges Wirken in bezug auf Indonesien, das einstige Niederländisch-Ostindien mit Hauptstadt Batavia (heute: Jakarta). Diese Beziehungen wurden gekrönt durch seine Ernennung zum Ehrenmitglied der Bataviaschen Gesellschaft für Künste und Wissenschaften am 21.12.1826.

Wenig bekannt ist auch, daß eine Reihe von Zeitgenossen, mit denen Goethe in beständigem Kontakt stand, ebenfalls mit Indonesien durch Interessen und Kontakte verbunden war. Dieser „Goethekreis“ wird in seinen Verknüpfungen und Verbindungen zu diesem Land beschrieben – wie zum Beispiel die familiären und freundschaftlichen Verhältnisse Schillers in dieser Hinsicht. Die Recherchen führen folgerichtig zu anderen Regionen Asiens, von denen bei Goethe und im Schaffen der Persönlichkeiten um Goethe die Rede war: sei es im Gespräch oder in dichterischer Verarbeitung bei Dichtern und Künstlern, sei es in theoretischen Betrachtungen oder eigenen Forschungen vor Ort bei Denkern und Forschern.

Die Autorin nimmt den Leser mit auf ihre Reisen zwischen 1970 und 2005 in die Länder, die sie auf den Spuren dieser Personen als auch so historischer Größen wie Dschingis Khan, Marco Polo oder Timur-i Läng (Tamerlan) besuchte. Dabei leben auch weitere mythische Gestalten wieder auf, die wir mit Goethes Gedankenwelt in Verbindung sehen – und zwar Prometheus oder Medea und Jason aus der Argonautensage im Kampf um das Goldene Vlies. Auf fernen Seiden- und Heerstraßen, auf See- und Argonautenrouten sowie Fluß- und Verbindungswegen öffnet sie dem Leser die Augen für die jeweiligen geschichtlichen und kulturellen Zusammenhänge in Indonesien, den Kaukasusländern, in Mittelasien, der Mongolei, in Sibirien und anderen Ländern.

Besonders aufschlussreich ist dabei die Nahtstelle, die sich so herstellen lässt zwischen den historischen Fakten und den eigenen aktuellen Erkenntnissen unterwegs. Bei den besuchten Völkern war unterschiedlich deutlich die Spannung zu spüren, die einerseits aus der Notwendigkeit entsteht, als Gesellschaft oder Nation auf veränderte politische und soziale Verhältnisse reagieren zu müssen, und die andererseits aus dem unveränderten Bedürfnis stammt, das kulturelle Erbe zu pflegen, die traditionellen Sitten und Gebräuche aufrechtzuerhalten und in der Gastfreundschaft einen bleibenden Wert zu sehen. Dazu gehört auch, relevante Aspekte des europäischen Kulturguts nicht aus den Augen zu verlieren und – wie in diesem Buch – das Wirken Goethes und seines Kreises im jeweiligen Land in Erinnerung zu rufen und zu würdigen.

Zur Autorin

Nach Abschluß des Diplomstudiums Slawistik/Indonesistik mit einer Diplomarbeit zur russischen Sprache (1973) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena erfolgten dort Promotion (1976) und Habilitation (1980) zur indonesischen Sprache. Im Jahr 1990 wurde Renate Carstens zur Hochschuldozentin für Sprachwissenschaft/Indonesistik berufen.



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