Forschungsarbeit: Im Kampf gegen die autoritäre Schule – der Reformpädagoge Ludwig Wunder (1878-1949)

Im Kampf gegen die autoritäre Schule – der Reformpädagoge Ludwig Wunder (1878-1949)

Ein Vertreter der Landerziehungsheimbewegung zwischen H. Lietz, G. Kerschensteiner und L. Nelson

Schriften zur Reformpädagogik, Band 3

Hamburg 2008, 228 Seiten
ISBN 978-3-8300-3465-0

Arbeitsschule, Autoritäre Schule, Bildungsgeschichte, Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Georg Michael Kerschensteiner, Hermann Lietz, Jugendbewegung, Landerziehungsheimbewegung, Leonard Nelson, Ludwig Wunder, Naturwissenschaftlicher Unterricht, Pädagogik, Reformpädagogik, Schülerexperiment, Schule im Dritten Reich, Schule in der Weimarer Republik, Schulgeschichte, Schulreformen

Zum Inhalt

Ludwig Wunder war der Sohn eines Nürnberger Chemikers und studierte als Stipendiat der bayerischen Begabtenförderung Maximilianeum Naturwissenschaften in München. Er verließ 1902 den Staatsdienst und unterrichtete bis 1911 in den neu gegründeten Landerziehungsheimen Haubinda und Bieberstein als Lehrer und Schulleiter bei Hermann Lietz. Dort übertrug ihm dieser den naturwissenschaftlichen Unterricht der Mittel- und Oberstufe. Wie viele Lehrer von Lietz (z.B. Wyneken, Geheeb, Kramer oder Luserke) machte er sich selbständig und gründete eigene Landerziehungsheime. So errichtete er 1922 die Schule Walkemühle in Nordhessen, die er dem Göttinger Philosophen Leonard Nelson und dessen Mitarbeiterin Minna Specht bzw. deren linksradikalem „Internationalen Jugendbund“ übereignete. 1925 gründete er mit Claire Weikersheimer die Schule Herrlingen bei Ulm und 1926 schließlich das Vegetarische Landerziehungsheim Schloß Michelbach bei Schwäb. Hall in Württemberg, das er bis 1945 leitete. Durch Anpassung an den Nationalsozialismus, insbesondere den Verzicht auf seine jüdischen Schüler und die Koedukation, gelang es ihm, seine Schule bis zum Kriegsende zu behalten.

Wunder übertrug die von der Jugendbewegung geprägten Schulreformen eines Hermann Lietz auf den naturwissenschaftlichen Unterricht, nämlich die Selbstbestimmung und freie Entfaltung des Schülers. Dabei übernahm er die Idee der Arbeitsschule im Sinne von Georg Kerschensteiner. Leonard Nelson begeisterte ihn für die sokratische Methode einer nicht autoritären Wissensvermittlung. Im Mittelpunkt seiner Bemühungen stand das Schülerexperiment (im Gegensatz zum Lehrerversuch). Seine Bemühungen, auf die staatliche Lehrerbildung insbesondere der Volksschule Einfluss zu nehmen, blieben trotz der kontinuierlichen Unterstützung durch Kerschensteiner erfolglos. Trotz zahlreicher pädagogischer Publikationen zwischen 1910-1930 und vieler Lehrerkurse insbesondere in Baden 1925-30 fand er nach 1945 keinen Nachfolger.



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