Forschungsarbeit: Die Diskussionen um eine Reform der Reichsverfassung in den Jahren von 1763 bis 1803

Die Diskussionen um eine Reform der Reichsverfassung in den Jahren von 1763 bis 1803

Eine Verfassungsstudie auf der Grundlage ausgewählter publizistischer Schriften der damaligen Zeit

Mit farbigem Faltblatt

Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Band 54

Hamburg 2008, 214 Seiten
ISBN 978-3-8300-3451-3 (Print), ISBN 978-3-339-03451-9 (eBook)

Rezension

[...] L’auteur a très sagement renoncé à un plan chronologique pour traiter séparément chaque élément de la possible réforme constitutionnelle. Au lieu de raconter, il décrit les institutions et leur fonction et complète ses descriptions avec les propositions de réforme faites à l’époque et les discussions qui les avaient accompagnées. Pour les spécialistes du droit, des institutions ou de la littérature historique du sujet, leur Saint-Empire demeure bien vivant. Finalement, une réforme du Saint-Empire était-elle possible? Comme historiens, nous avons le droit de poser la question mais nous ne pouvons pas y répondre, même si le simple fait de la poser nous sort du carcan du déterminisme historique; il n’était pas nécessaire que le Saint-Empire disparût, car jusqu’au bout il y avait un horizon pour cette vénérable institution. En effet, le mérite des historiens contemporains est d’avoir montré que cette possibilité existait bel et bien. Ainsi, cette synthèse a en outre le mérite d’initier un lecteur français aux arcanes du droit constitutionnel dudit Empire et de le guider dans l’abondante bibliographie que l’auteur maîtrise admirablement.

Jean Bérenger, in:
Francia-Recensio, 2011/3

18. Jahrhundert, Episkopalismus, Fürstenbund, Geschichtswissenschaft, Nationalgeist, Reichserzkanzler, Reichsgefüge, Reichshofrat, Reichsjustiz, Reichskammergericht, Reichskirche, Reichskreise, Reichspatriotismus, Reichspublizistik, Reichsreform, Reichstag, Reichsverfassung, Reichsvikariat, Verfassungsstudie

Zum Inhalt

„Fehler einer Verfassung sind dem veränderlichen Lauf der Zeiten und abwechselnden Leidenschafften und Schwachheiten eigen und von der Menschlichkeit unzertrennlich, sie zu erforschen, zu entdecken, zu bekennen, an ihre Abstellung Hand anzulegen, ist das Anliegen und die Pflicht eines Freun[d]s des Vaterlandes ...“
[MOSER, Friedrich Karl Freiherr von]: Von dem Deutschen Nationalgeist [1765]. 2. Aufl., Frankfurt/Main 1766 [ND Frankfurt/Main 1976], S. 7.

In dieser Studie werden die Diskussionen untersucht, die sich in den Jahren von 1763 bis 1803 mit der Reichsverfassung und deren Reformfähigkeit beschäftigten. Was hätte getan werden müssen, um das Gefüge des Alten Reiches den geänderten Zeitverhältnissen und Notwendigkeiten anzupassen? Bis zu welchem Punkt hätte die Reichsverfassung reformiert werden können und reformiert werden dürfen, um die zentrifugale Tendenz der Reichsstände zu unterbinden?

Im Mittelpunkt stehen die disparaten Überlegungen, die sich mit einer Reform der Reichsverfassung und nicht mit ihrer Vernichtung bzw. ihrem Umsturz auseinandersetzten. Hierbei kommen sowohl die damaligen Publizisten mit ihren gelehrten politischen Diskussionen zu Wort, als auch diejenigen Entscheidungsträger und Institutionen, die als unmittelbarer Bestandteil des Gefüges der Reichsverfassung galten – fehlten ihnen doch nicht die Einsichten zu Reformen dieser Reichsverfassung, sondern vielmehr die Möglichkeiten zu deren Realisierung. Unter Bezug auf eben diese Reichsverfassung wird die Problematik ihrer Reformbedürftigkeit dem Leser offengelegt. Anhand dessen wird gezeigt, daß das Alte Reich kein leeres Gebilde darstellte, sondern vielmehr einen Garanten für ein funktionierendes Rechtssystem über alle Territoriallandesgrenzen hinaus. Dem Alten Reich wurde aber auch mehr Geschichts- als Gegenwartsbezogenheit vorgeworfen, herrschte doch diesbezüglich oftmals mehr Idealismus denn Realität vor. Auch definierte die Reichsverfassung vielmehr den Zustand und das Sein eines Staates, der eine normative Ordnung garantierte. Im Alten Reich als einem historisch gewachsenen Gebilde destruktiver Natur, das die politische Ordnung vorgab, war demnach die Reichsverfassung der Bezugspunkt schlechthin für alle von den Landesherren ausgeübten Herrschaften. Aber auch als Garant des europäischen Gleichgewichts kann die Reichsverfassung angesehen werden, war sie doch zu Eroberungen nicht geschickt. Dies lag auch im Interesse der gewichtigsten Mächte des damaligen Europa.

Die ab 1763 vorherrschende territorial-politische Konstellation im Reich mit Preußen und Österreich als den sich gegenseitig belauernden Großmächten sorgte zumindest bis 1792 für eine kurzzeitige Stabilität innerhalb des Reichs trotz zentripetaler Tendenz. Die vormals kriegerischen Aktivitäten wandelten sich nunmehr zu einer ideellen Schlacht um die Identität des Reiches und seiner Verfassung. Den Leser an diesen Diskussionen um das „hundertköpfige Ungeheuer der Reichsverfassung? teilhaben zu lassen, dies soll die Studie ermöglichen.

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