Habilitation: Zur Integrationsfunktion von Erziehung und Bildung

Zur Integrationsfunktion von Erziehung und Bildung

Historisch-systematische Studie zu einem „blinden Fleck“ der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Pädagogik

KRITIK UND REFLEXION – Interdisziplinäre Beiträge zur kritischen Gesellschaftstheorie, Band 4

Hamburg , 630 Seiten

ISBN 978-3-8300-3348-6 (Print)
ISBN 978-3-339-03348-2 (eBook)

Zum Inhalt

Der Autor befasst sich in historisch-systematischer Sicht mit dem Begriff „Integration“, der grundlegend für das Funktionieren von Pädagogik ist, in der Erziehungswissenschaft aber kaum (mehr) als solcher reflektiert wird. Wenn dort heute von Integration die Rede ist, so meist im Sinne der gesellschaftlichen Eingliederung benachteiligter Randgruppen. Die systematische Frage, ob überhaupt und unter welchen Bedingungen gesellschaftliche Integration durch Erziehung und Bildung in der bürgerlichen Gesellschaft gelingen kann, wird dabei nicht gestellt.

Die Untersuchung geht von der in der Soziologie intensiv diskutierten Frage aus, inwieweit spätmoderne Gesellschaften überhaupt noch integrierbar sind und versucht, sowohl systematisch als auch historisch die Hypothese zu erhärten, dass Integration in der bürgerlichen Gesellschaft von jeher ein prekäres Projekt war, aufgrund der Widersprüche, die diese gesellschaftliche Formation und folglich auch ihre Pädagogik kennzeichnen. Diese kann ihre Integrationsfunktion und damit ihre gesellschaftliche Legitimation nur durch das Versprechen aufrecht erhalten, zwischen moralischen Normen und geschichtsphilosophischer Selbstverpflichtung der bürgerlichen Gesellschaft einerseits und deren funktionalen Integrationsforderungen an die Individuen andererseits in gelingender Weise vermitteln zu können. Dieses notwendig widersprüchliche Versprechen wird als ihr „blinder Fleck“ bezeichnet, den sie beibehalten muss, um handlungsfähig zu bleiben.

Der Entfaltung der Fragestellung und des theoretischen Rahmens unter Rückgriff auf die Kritische Theorie folgt im systematischen Teil zunächst die Darstellung pädagogischer Integrationskonzepte von den frühbürgerlichen Utopien über Comenius und Francke bis hin zu Rousseau und den pädagogischen Projekten der Französischen Revolution. Danach kommen mit Marx, Weber, Freud und Horkheimer / Adorno prominente Kritiker des bürgerlichen Integrationskonzepts zu Worte, deren Kritik abschließend im Sinne der Fragestellung für die Schultheorie fruchtbar gemacht wird.

Der historische Teil behandelt die Entwicklung des deutschen Schulsystems von der Aufklärung bis heute im Spannungsfeld von sozialgeschichtlichem Kontext und pädagogischen Diskursen. Sie ist im Wesentlichen gekennzeichnet von den widersprüchlichen Integrationsabsichten der Aufklärungspädagogik und des Neuhumanismus, die indes eins gemeinsam haben: Sie überschätzen die Macht der Pädagogik für eine gelingende gesellschaftliche Integration. Welche Folgen dies bis in die Gegenwart hinein hat, wird ausführlich am Beispiel der Bildungsreform der 1970er Jahre analysiert, die mit dem Anspruch auftrat, durch pädagogisch-schulische Integration eine den bürgerlichen Normansprüchen genügende Gesellschaft hervorbringen zu können.
Welche Formen die Widersprüche künftig annehmen könnten, ob überhaupt sie in der bisherigen Form bestehen bleiben und was daraus für Pädagogik und Schule folgt, wird im Schlusskapitel erörtert.

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