Dissertation: Ökonomische Denkmodelle als sozialpädagogische Strukturprinzipien?

Ökonomische Denkmodelle als sozialpädagogische Strukturprinzipien?

Sozialpädagogik in Forschung und Praxis, Band 17

Hamburg , 282 Seiten

ISBN 978-3-8300-2944-1 (Print)
ISBN 978-3-339-02944-7 (eBook)

Zum Inhalt

Im Verlauf der vergangenen 10 Jahre wurden die Kommunalverwaltungen der Bundesrepublik Deutschland nach den Vorgaben des „New Public Management“ umgestaltet. Die Verfasserin untersucht die Auswirkungen dieser Verwaltungsreform auf Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Am Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe geht sie der Frage nach in wie weit betriebswirtschaftliche Vorgaben wie Produktbildung, Qualitätsentwicklung oder outputorientierte Steuerung mit sozialpädagogischen Begriffen und Handlungsweisen vereinbar sind.

Es wird nachgewiesen, dass Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen keine Produkte im betriebswirtschaftlichen Sinn sind, weil die verwendeten „Produktionsfaktoren“ – etwa kreative Interaktion, Beziehungsintensität, sozialpädagogischer Diskurs, Klientenbeteiligung – nicht quantifizierbar sind. Die auf dem „Jugendhilfemarkt“ gehandelten meritorischen Güter führen zu Marktversagen, es stellt sich kein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ein, es gibt keinen freien Markt. Der Begriff Qualität meint im betriebswirtschaftlichen Verständnis etwas anderes als im sozialpädagogischen. Ersterer bezieht sich auf Kundenzufriedenheit und Herstellungsprozesse und letzterer auf den Ausglich sozialer Benachteiligung und inhaltlich pädagogische Arbeit. Eine Vielzahl empirischer Jugendhilfestudien belegt, dass wesentlicher Erfolgsfaktor für ein „gelingendes Leben“ nach einer Jugendhilfemaßnahme eine als exklusiv erlebte Beziehung zu den verantwortlichen Pädagogen ist.

Ohne eine Erweiterung der üblichen Parameter Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität um den Inhalt der Beziehungsqualität sind Qualitätsmanagementmodelle auf die Kinder- und Jugendhilfe somit nicht anwendbar. Steuerungsversuche führen gerade dann, wenn das zu steuernde System anderen Rationalitätsmustern folgt zu nicht intendierten Handlungsfolgen, diese sind empirisch nachweisbar:
Arbeitintensivierung, Reduktion der Arbeitsplatzsicherheit ebenso wie die Formalisierung von Kinder- und Jugendhilfemaßnahmen auf Kosten des Inhalts.
Zu konstatieren ist auch, dass sozialpädagogische Strukturprinzipien ökonomischen Denkmodellen untergeordnet und sozialpädagogische Standards uminterpretiert werden, um die Anschlussfähigkeit an ökonomische Vorgaben sicherzustellen. Neoliberale Wirklichkeitsinterpretation im Foucaultschen Sinne manifestiert sich in den „Neuen Steuerungsmodellen“ ebenso, wie in einer sich verändernden sozialpädagogischen Profession und der gesellschaftlichen Wahrnehmung benachteiligter Menschen.

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